Bosse
Diese Liste enthält 73 Bosse aus Phantom Blade Zero aus 10 Regionen. Die Galerie des Archivs gruppiert die Einträge nach Region, und jeder Eintrag hat einen Typ: Meister, Perfekte Transzendenzen, Maskenwanderer und Puppen.

In seiner Jugend war Zuo Shang Souls engster Freund und wie dieser ein Adoptivsohn von Schattenfürst Mu. Außergewöhnlich begabt und von sanftem Wesen, besaß er eine für sein Alter ungewöhnliche Gelassenheit und dachte tiefgründiger als die meisten seiner Altersgenossen. Neben Souls Ungestüm und Ungezügeltheit wirkte Zuo Shang schon damals bemerkenswert gefestigt und besonnen. In seinen freien Stunden vertiefte sich Zuo Shang in Geheimberichte und bildete sich sein eigenes Urteil über die Geschehnisse im Wulin. Im Kampf waren er und Soul ebenbürtig. Seine Schritte waren leicht und flink, seine Schwertführung anmutig und präzise. Selbst mit einem hölzernen Übungsschwert bewegte er sich wie vom Wind getragen, fließend wie die Wolken. Von ihren gemeinsamen Tagen auf der Straße bis zur Ausbildung Seite an Seite im Orden hatten Zuo Shang und Soul einander in ihren schwächsten Momenten erlebt und einander heranwachsen sehen. Mit den Jahren wurde ihre Bindung nur tiefer … Wer hätte ahnen können, dass sie eines Tages die Klingen gegeneinander richten würden?

Einst Souls engster Freund. Heute sein Erzfeind. Mit der Goldklinge in der Hand bündelt Zuo Shang Goldene Schwertenergie entlang ihrer Schneide; ihr Licht fließt wie Seide. Sein Schwertwille reicht endlos weit, seine Hiebe folgen fließend aufeinander. Der Jüngling von einst ist längst vergangen. Seine Bewegungen sind immer unberechenbarer geworden, seine Beherrschung von Schwert und Sha-Chi hat eine übermenschliche Stufe erreicht. Mit jedem Klingenschwung versetzt er durch Sha-Chi zahllose Waffen in Bewegung. Er lässt sie in rascher Folge oder alle zugleich auf den Gegner niedergehen, ohne ihm Raum zur Abwehr zu lassen. Auf dem Übungsplatz hielten Soul und Zuo Shang nichts zurück, doch keiner konnte die Oberhand gewinnen. Schließlich durchbohrten sie einander im selben Augenblick das Herz, als ihre Klingen sich kreuzten. Soweit die Mitglieder des Ordens wissen, hat Soul den früheren Schattenfürsten ermordet - den Mann, der sie beide aufgenommen hatte. Dem letzten Willen ihres Vaters gemäß folgte Zuo Shang ihm als Schattenfürst und übernahm die Führung des Ordens. Um seinen Vater zu rächen und sowohl seinem Andenken als auch dem Orden gerecht zu werden, musste Zuo Shang ihre alte Freundschaft hinter sich lassen. Er schickte unzählige Meister und Schattenwächter hinter Soul her und schwor, ihm das Leben zu nehmen. Doch … ist das wirklich die ganze Wahrheit?

Unter den Auftragsmördern, die Verräter aufspüren sollen, ist die Hatz bei Weitem der blutrünstigste und wahnsinnigste. Mit zwei Kettensicheln bewaffnet, rast und schwingt er sich mit furchterregender Geschwindigkeit über steile Klippen und verfolgt seine Beute wie ein Schatten. Im Nahkampf bedrängt er sie mit grausamen, tödlich gezielten Sichelhieben oder zieht sich an den Ketten in die Luft, um Angriffen auszuweichen. Aus der Ferne hält er seine Gegner mit peitschenden Ketten in Schach. Seine Angriffe sind kaum vorherzusehen. Der Orden lässt keinen Verräter entkommen, und die Hatz lässt keine Beute entkommen. Er verlangt weder Ruhm noch Reichtum. Der Rausch des Tötens ist ihm Lohn genug. Diejenigen, die am härtesten ums Überleben kämpfen, sind oft die lohnenswerteste Beute.

Ein stumpfsinniger, rasender Unhold, der sich der Transzendenz unterzogen hat. Um sein Sha-Chi zu unterdrücken, umhüllte er sein Gesicht mit Metallresten, die er in der Wildnis auflas. Doch sein Wahnsinn wurde dadurch nur noch furchterregender. Seine Waffe, Gezackter Stahl, entriss er einem Schüler Huangxings, einer Säule des Mandats. Obwohl die Schneide schartig und verrostet ist, reißt sie noch immer Wunden, deren Blutung nicht enden will. Wer seine rasenden Hiebe erblickt, weicht voller Entsetzen zurück

Peng Meng, der Älteste der Vier Äxte, unterzog sich der Transzendenz, um die anderen drei zu rächen. Sein Körper wuchs zu gewaltigen Ausmaßen heran, sein Fleisch hart und seine Kraft unermesslich. Seine große Axt konnte Stein spalten und Berge zertrümmern. Mehrere Elitekämpfer des Mandats fielen unter ihr. Im Tal gelang es einem Trupp des Mandats nur unter schrecklichen Verlusten, ihn zu bezwingen. Dicke Ketten wurden durch seine Schulterblätter getrieben, um ihn hinter dem Außenposten zu fesseln. Einst tranken die vier Brüder reichlich und schmausten ausgiebig. Sie vollbrachten Heldentaten, doch im Blutvergießen des Wulin forderten ihre Äxte auch zahllose unschuldige Leben. Damals wurden alle Rechnungen noch nach den Regeln des Wulin beglichen. Dann wurden drei der Brüder durch Verrat ermordet, und Trupps des Mandats jagten den letzten. In die Enge getrieben und verzweifelt gab Peng Meng seinen letzten Rest Verstand auf und versank völlig in der Transzendenz.

Fleisch und Rüstung sind aufgerissen, doch sein zerschundener Körper fällt nicht. Durch den Blutnebel klappen zwei Stahlarme aus dem Rücken der Hatz hervor und greifen ein weiteres Paar glänzender Kettensicheln. Seine vier Arme schlagen abwechselnd zu oder schleudern alle vier Sensen zugleich, schnellen vor und zurück, ohne erkennbare Folge. Ihr Zug kann die Erde erschüttern und Druckwellen entfesseln. Selbst im Rückzug vermag er noch tödlich zuzuschlagen. So außergewöhnlich sind die Ergebnisse der Transzendenz an den Schattenwächtern des Ordens: Ungeheuer, die dem neuen Schattenfürsten treu bleiben, wie grotesk ihre Veränderungen auch sein mögen. Die Hatz bemerkt nicht, wie unablässig der Ruf nach Blutvergießen in seinem Kopf schreit. Das Abschlachten von Maskenwanderern und Kämpfern des Mandats bringt ihm keine Befriedigung … Er gibt seiner Beute die Schuld. Dieser Meister Soul ist schwieriger zu fassen als alle zuvor und muss ihm gewiss auch größere Jagdfreuden bereiten. Doch ist der Jäger nicht selbst längst zur Beute seiner Begierden geworden?

Eine Puppenbraut hat inmitten der Spinnenlilien unter dem Sha-Chi-Turm im Tal des Weinenden Bachs eine Hochzeitshalle errichtet. Alle, die dem Heiratsvertrag oder den Gerüchten folgen, fallen ihrer Scharlachroten Spukklinge zum Opfer. Ihre Leichen betten sich in jene Blumen, die unter dieser Klinge gediehen, und nähren so die Fleischlilien. Hua und Hui wuchsen gemeinsam auf und liebten einander seit Langem. Doch ihr Vater gierte nach Reichtum. Weder ihre Wünsche noch der schwache Verstand des Bräutigams aus der Familie Li kümmerten ihn: Er zwang sie, in die Familie einzuheiraten. Um ihr jede Hoffnung zu nehmen, verschwor er sich sogar mit den Lis, Hui zu ermorden. Huis leeres Grab steht noch immer hinter der Hochzeitshalle. Hua ist zu einer Puppe geworden und hat vieles aus ihrer Vergangenheit vergessen. Doch an einem Glauben hält sie fest: Wenn die Fleischlilie reift, wird ihr Geliebter ins Leben zurückkehren.

Eine Puppe, die unter dem Karmesin-Anwesen eingesperrt ist. Fleisch und Klingen, die aus ihrem Körper ragen, sind unentwirrbar miteinander verwachsen. Ein Großschwert durchbohrt ihre Wirbelsäule, und eine gewaltige Sense aus einer Metalllegierung ersetzt ihren linken Arm. Inmitten dieses entstellten Fleisches sitzt ein filigraner Kristallaugapfel, der hier grotesk fehl am Platz wirkt. Er ist einer der beiden Kristallaugäpfel, mit denen sich Puppe Nr. 99 erwecken lässt. Beim Anblick von allem, was lebt, schwingt der Plünderer seine Sense in wilden Hieben und rollt seinen massigen Körper nach vorne, um seine Beute zu zermalmen. Seine Bewegungen sind langsam und unbeholfen, ohne jede Technik. Dennoch strömt Sha-Chi aus ihm hervor. Er ist ein Versuchsobjekt des Herolds, geschaffen aus den Überresten eines stämmigen Muskelmannes mithilfe von Puppentechniken und den Künsten der Fadenbinder. Doch das Experiment geriet außer Kontrolle: Der Körper schwoll an und verformte sich unaufhaltsam. Keine noch so große Zahl an Masken konnte das in ihm tobende Sha-Chi bändigen. Selbst ein Großschwert, das seinen Leib durchbohrte, vermochte ihn nicht zu töten. Also sperrte der Herold ihn unter dem Karmesin-Anwesen ein, um dort ausrangierte Puppen und unerwünschte Anhänger des Pfads der Rechtschaffenheit zu beseitigen. Vielleicht weil die Menschen aus dem Wulin noch immer ihre Lebenskraft in sich tragen, hat der Plünderer einen besonderen Hunger nach ihnen entwickelt.

Hansui ist einer der vier Akolythen im Dienst des Hohen Ältesten. Mithilfe des Kristallaugapfels verbirgt er sich in der Dissonanz. Er trägt blassblaue Gewänder und hält einen Fliegenwedel in der Hand. Eis ist seine tödliche Waffe. Ein Schwung des Wedels lässt zerklüftete Gletscher aus dem Boden hervorbrechen, während sich Reihen von Eisspitzen nach außen ausbreiten. Er kann auch beißende Winde heraufbeschwören und das ganze Gelände in ein Schneefeld verwandeln. Auf Befehl des Hohen Ältesten überwacht Hansui das Karmesin-Anwesen, damit der Kristallaugapfel nicht den Besitzer wechselt. Um ganz sicherzugehen, gab er freiwillig einen Teil seines Bewusstseins her, den der Hohe Älteste in dem Augapfel versiegelte. So kann er sich durch dieses Auge in der Dissonanz verbergen. Der Herold ahnte etwas, konnte die Verbindung jedoch nicht durchtrennen. Also setzte er den Augapfel in den Körper des Puppenplünderers ein. Hansuis Bewusstsein war nun an die Kreatur gebunden. Stirbt der Puppenplünderer, wird auch Hansui darunter leiden. Glücklicherweise ist der Puppenplünderer ein Versuchsobjekt, das selbst von Klingen durchbohrt nicht starb. Diese beinahe unsterbliche Lebenskraft fasziniert Hansui ganz besonders. Leben und Tod, Erblühen und Verfall vergehen in einem Augenblick. Doch wenn die Barmherzige Herrin herabsteigt, wird ewiger Frost die Welt in Eis versiegeln, und allem unter dem Himmel wird Ewigkeit zuteil … Nach diesem Tag sehnt Hansui sich.

Fünf Lóng-Säulen, fünf Begegnungen. Und doch können sie mehr als dreißig Jahre der Trennung nicht aufwiegen. In all diesen zahllosen Tagen und Nächten hat er zu viele der entscheidenden Augenblicke in Souls Leben verpasst. Er hörte ihn nie seine ersten Worte stammeln und sah nie seine ersten Schritte. Nie saß er neben ihm, um ihm Lesen und Schreiben beizubringen oder ihn an die Kampfkunst heranzuführen. Auch die Künste der Bastion von Mó konnte er ihm nicht selbst vermitteln. In der Blutlinie der Bastion liegt zu viel Sha-Chi. Das stellt hohe Anforderungen an den Körper und an die Beherrschung dieser Macht. Ohne jemanden aus der Bastion, der ihn anleitete, musste Soul mehr leiden, als nötig gewesen wäre … Zum Glück ist Soul wohlbehalten herangewachsen. Er steht nun aufrecht vor ihm, und sein Können steht Mó Yuans eigenem in nichts nach. In jeder Bewegung erkennt Mó Yuan die Entbehrungen jener dreißig Jahre, aber auch Souls heutige Suche und seine Zweifel. Soul geht seinen eigenen Weg. Mó Yuan kann ihn in seiner Kunst anleiten und ihm helfen, die Macht in seinem Blut zu beherrschen. Darüber hinaus kann er ihm nur zeigen, dass hinter ihm jemand steht, dessen Fürsorge niemals nachlassen wird. Alles auszusprechen würde ihm nur eine weitere Last aufbürden. Lieber legt er das, was er ihm nicht sagen konnte, in das Wechselspiel seines Schwertwillens. Mögen diese Prüfungen Soul helfen, den Weg vor sich freizumachen.

Ein Schwertkämpfer in Blau steht betrunken auf der Brücke nach Pangzhen und gießt Wein über seine Maske. Er wartet auf den Mann, der einst sein Schwert zerbrach. Hua Qianxiao widmete sein Leben der Schwertkunst und stand lange an ihrer Spitze. Dann wurden jene, die ihm nur knapp unterlegen waren, mühelos von Maskenwanderern besiegt, während mittelmäßige Kämpfer über Nacht Meister des Wulin stürzten. Die Botschaft war klar: Ohne Transzendenz würde die neue Zeit ihn hinter sich lassen. Er überließ die Entscheidung dem Wein. Ein Becher bedeutete Ja, der nächste Nein. Als er nicht mehr trinken konnte, hatte er vergessen, welche Antwort zuletzt gekommen war. Vielleicht half ihm der Rausch, den Preis zu vergessen. Danach fand Hua Qianxiao stärkere Gefährten. Die Anhänger des Pfads der Rechtschaffenheit, die ihn verurteilten, fielen seiner Klinge allzu leicht zum Opfer und boten ihm wenig Genugtuung. Erst als die Säulen von Kunlun den geheimnisvollen Orden um Hilfe baten, fand er wieder etwas, auf das er sich freuen konnte. Niemals hätte er gedacht, dass seine kostbare, fünf Fuß lange Klinge zerbrechen würde. Ebenso wenig, dass ihn jeder Blick auf die Bruchstelle noch lauter lachen und noch wilder kämpfen ließe. Doch kein Lachen konnte die Besessenheit eines betrunkenen Schwertkämpfers lindern.

Ein Meister der Faustkunst und einer der Vier Maskenwanderer, gegen die der Orden und die drei Säulen von Kunlun vor einem Jahr gemeinsam kämpften. Er ist riesig und muskelbepackt, seine Fäuste scheinen aus Eisen geschmiedet zu sein. Sein Kampfstil ist unberechenbar, doch jeder Schlag trifft mit gewaltiger Wucht. Es ist unklug, sich mit ihm frontal auf einen Schlagabtausch einzulassen, doch durch geschickte Bewegungen lässt sich möglicherweise eine Lücke aufdecken. Anders als sein großer Bruder Eisendämon, der seine Fäuste zum Schutz der Schwachen erhebt, lebt Eisenfieber für den Kampf. Er will einzig das Vermächtnis seines Meisters antreten und dessen Kunst weiterführen. Um jene Einsicht in die Faustkunst zu erlangen, die seinem Meister vor seinem Tod zuteilwurde, unterzog er sich sogar mithilfe eines Reliktes seines Meisters der Sha-Chi-Transzendenz. Als die fremde Macht erstmals von ihm Besitz ergriff, kämpfte er gegen jeden, der sich ihm stellte, ob Angehöriger des Mandats oder Maskenwanderer. Dabei gewann er sogar eine Reihe von „Maskenwanderer-Freunden“. Schon damals spürte er, wie ihm die Kraft in seinem Inneren entglitt. Doch er vertraute darauf, sie mit seiner Maske, seinen Stahlnägeln und seinem Willen im Zaum halten zu können. Doch nach der Schlacht im letzten Jahr wurde seine Mordlust immer stärker und drohte sogar seinen Wunsch, seine Kampfkunst zu perfektionieren, in den Schatten zu stellen. Als Eisenfieber hörte, dass ein alter Feind erneut durch diesen Wald ziehen würde, kehrte er hierher zurück. Diesen Kampf führt er für seine Faustkunst und um ein Ende zu finden. Ein letztes Aufbäumen für das eigene Ich, welches das Sha-Chi bald verzehren wird.

Der Anführer der berittenen Räuber. Er reitet auf einem blutroten Schlachtross. Stahlstacheln bedecken Reiter und Reittier, als hätte sich ein ganzes Dornengestrüpp in Bewegung gesetzt. Brutal und blutgierig plündert er seit Langem den Osten des Wulin. Nichts bereitet ihm mehr Freude, als seine Beute zu Pferd zu jagen und Anhänger des Pfads der Rechtschaffenheit niederzumetzeln. Vor einem Jahr unterlag Jing Ye dem Orden und den drei Säulen von Kunlun. Doch er floh nicht weit. Er führte seine Männer in die Hügel, besetzte die Hauptstraße und machte die von den Kämpfern des Pfads der Rechtschaffenheit zurückgelassenen Gräben und Geheimgänge zu Fallen für seine Hinterhalte. Seine Kampfkunst ist seither nur gefährlicher geworden. Sein mit Eisenspitzen besetzter runder Schild kann auf Gegner geschleudert werden, und seine Verteidigung lässt sich ohne eine breite, mächtige Klinge nur schwer durchbrechen. An seiner Hüfte hängen die Köpfe seiner Gegner, bereit, zu Blut zermalmt zu werden, das er mit Sha-Chi zu Stacheln formt und aus der Ferne abschießt. Mit seiner Kriegsklinge des Gesetzlosen entzieht er Gegnern Blut, um seine Gesundheit wiederherzustellen. Ebenso versteht er es, sein eigenes Blut zu opfern, um seinen Techniken noch mehr Kraft zu verleihen. Einst war dieser rasende Gesetzlose ein aufrichtiger junger Mann, der mit einer kostbaren Klinge auszog, um dem Pfad der Rechtschaffenheit zu folgen. Die Klinge ist noch dieselbe. Der Mann ist es nicht. Jene rechtschaffenen Krieger, die einst ohne einen zweiten Blick an ihm vorbeiritten, sind inzwischen alle seiner Klinge zum Opfer gefallen, doch er hat immer noch das Gefühl, dass seine „große Rache“ noch nicht vollendet ist.

Eine Frau, die mit einem Paar seltsamer Schlangenschwerter kämpft. Ihre Schläge sind gnadenlos und unheimlich; ihre Schönheit reicht aus, um die Gefahr vergessen zu lassen. Wer sich ihr nähert, findet selten ein gutes Ende. Als der Orden und die drei Säulen von Kunlun vor einem Jahr gemeinsam gegen die Vier Maskenwanderer kämpften, war Bai Chilian eine von ihnen. In jener Schlacht zerbrach die Pipa der Melodie. Eine gewaltige Illusion brach daraus hervor, verschlang den Wald und schloss Bai Chilian in sich ein. Dieser durch die Phantomkunst verzerrte Spiegelwald kennt weder Sonne noch Mond, weder Leben noch Tod, nur endloses Vergessen und Leere. Alles, was Bai Chilian tun kann, ist, ihre Schlangen loszuschicken, um nach der Pipa zu suchen. Wenn die Pipa wiederhergestellt ist, wird die Herrin sie retten … sie erneut retten … Schlangen bringen Schlangen hervor, Schlangen treten an die Stelle anderer Schlangen. Immer wieder ziehen sie in Scharen aus und kehren zurück. Die Pipa finden sie nie. Bai Chilian verliert allmählich den Verstand. In ihrer Wut hackt sie einige Schlangen entzwei, schilt sie faul und zügellos und bezichtigt sie sogar, sich gegen sie verschworen zu haben. Dann begräbt sie die treuen Geschöpfe unter Tränen und redet den frisch geschlüpften zärtlich zu: Sie sollen sich nicht vor ihr fürchten, ihr nicht böse sein, sie nicht verlassen … Noch kann sie der Herrin von Nutzen sein. Sie wird die Pipa wiederherstellen.

Rot erblüht der Horizont, als senkte die Herrin ihren Blick. Unter diesem herrlichen Schein sammeln sich die roten und grünen Seidenstoffe um Bai Chilian und verflechten sich zu vier riesigen Pythons. Sie richten sich wie Skorpione auf und wirbeln wie Sägen. Mal schlagen sie zu und ziehen sich zurück, auf eine Lücke wartend; mal schießen sie aus der Erde empor und bilden eine Formation, die sie schützt. Nur wenn man die Schlangenformation durchbricht, kann man sie zu Fall bringen. Einst war ihr Leben weniger wert als Gras. Am Rande des Todes erblickte sie in einem verschwommenen Traum die Herrin. Die Herrin schenkte ihr einen roten Seidenfaden, der einer Schlange glich und sie zugleich an sie band. So verlängerte sie ihr Leben und ließ sie von den Toten zurückkehren. Also schlang Bai Chilian ihren Feinden Schlangen um die Kehlen und ließ sie sich Stück für Stück enger ziehen, bis ihre Opfer einen langen Tod voller Angst und Schmerzen starben. So einfach. So befriedigend. Und doch nicht genug! Nur die Herrin kann dieses Wulin wahrhaft von seinem Unrat reinigen … Doch wie konnte sie nur so nutzlos sein? Gefangen an einem Ort wie diesem … sie verdient diese Qual … Opfere die Schlangen. Opfere ihren Körper. Opfere alles … Was bleibt ihr noch, das sie der Herrin geben könnte? Was kann sie opfern, um wahre Erlösung zu erlangen?

Das Phantomreich verblasst, und Sha-Chi strömt hervor. Der Spiegelwald ist in Eis und Schnee versiegelt. Der Frost verschluckt jeden Laut und lässt den Wald still und reglos zurück. Der Baum, in dem Bai Chilian einst lebte, ist nun leer. An ihre Stelle ist die Chaospuppe getreten, die damals im Rissanwesen erschien. Dieser bitterkalte Ort ist ihr vollkommenes Refugium, denn eines ihrer Bewusstseine fürchtet Hitze und sehnt sich nach Kälte. Die drei Gesichter der Puppe streiten ohne Ende. Doch sobald sie die bis in die Knochen eisige Chaosklinge führen, handeln sie wie eins. Abwechselnd übernehmen die drei den Körper. Mal ist die Klinge von Frost bedeckt, mal von Chaotischen Flammen umwunden, mal glänzt sie wie Stahl. Für einen Augenblick scheint es, als wären sie wieder dieselben wie vor zwanzig Jahren. Auch sie zogen einst Seite an Seite durch das Wulin, die Schwerter in der Hand und voller jugendlichem Tatendrang. Dann wurde eine von ihnen ängstlich, und eine andere fiel in einen Schlaf, aus dem sie nie wieder erwachte. Schließlich verschmolzen alle drei zu einer einzigen Gestalt und erlitten unerträgliche Qualen, ohne einen Augenblick Ruhe zu finden. Sie flohen hierher, weil sie hofften, der Kontrolle des Herolds zu entkommen. Doch während sie nun kämpfen, wird der brennende Schmerz in ihrem Körper unerträglich. Das Gefühl, gefesselt zu sein, wächst immer weiter. Als hätte der Herold einen Mechanismus in ihnen verborgen, der nun danach drängt, die drei auseinanderzureißen …

Damals beherrschte jede der drei Schwestern eine andere Kunst. Mit ganzer Hingabe verfeinerten sie ihre Fähigkeiten und meisterten jede ihre gewählte Kunst. Sie wählte jene Stahlklinge aus dunklem Eisen als Zeichen ihrer Entschlossenheit. Tag und Nacht übte sie das Ziehen und Zuschlagen, bis ihre Kunst Berge spalten und Fels zerbrechen konnte. Doch keine Meisterschaft mit der Klinge vermochte ihre beiden kleinen Schwestern zu retten: Die zweite verlor sich in einem Reich der Kälte, die dritte wurde von Geisterfeuer verdorben. Beide waren für immer verändert. Als die drei in einem Körper erwachten, erkannte sie, dass sie in die Intrige des Herolds geraten war. Sie selbst hatte die zweite Schwester überredet, die Medizin zu trinken, und sie der dritten eingeflößt. Ihr verzweifelter Wunsch, die beiden zu retten, hatte nun alle drei vergiftet und in den Abgrund gezogen. Gefangen in einer einzigen Hülle, wurden die Schwestern Tag und Nacht gequält. Die Reue verzehrte sie. Der Herold sagte einst, wenn sie Soul töteten, könnten sie auf drei Gefäße verteilt werden und jede einen eigenen Platz finden. Nun wogt das Sha-Chi in ihr. Sie will nur die Sünde jenes Tages sühnen und der Qual entkommen, einen Körper zu teilen. Sie umklammert die Stahlklinge, die Berge spalten und Stein durchtrennen kann, und schlägt zu, entschlossen, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen.

Wenn sie die Stahlklinge führt, überzieht Frost die Schneide, und Eis hängt von ihrem Rücken. Sie ruft Wind und Schnee herbei und stößt die Klinge in die Erde, um eine gewaltige Schneewelle aufzutürmen. Ein Kälteschwall lässt alles, was er berührt, augenblicklich erstarren. Blut und Meridiane gefrieren. Als mittlere Schwester war sie anhänglich und verließ sich in allem auf ihre große und ihre kleine Schwester. Schon als Kind liebte sie das Eis. Seine Oberfläche war klar wie ein Spiegel und zeigte ihre reinen Augen. Das Eis schalt sie nie. Es hörte nur zu. Allmählich begann sie, die Welt zu fürchten, doch niemals das Eis. Seinem kalten Schimmer folgend betrat sie das Reich des Frosts und wurde eins mit dem Eis. Von da an fürchtete sie jede Wärme der Welt. Später überwand sie ihre Angst zum ersten und einzigen Mal. Sie trank die brühend heiße Medizin in der Hoffnung, wieder mit ihren Schwestern vereint zu sein. Sie fertigte eine Stoffpuppe mit drei lächelnden Köpfen. Drei Seelen als eine, ganz so, wie sie einander versprochen hatten, sich niemals zu trennen. Ihre Worte wurden zur Prophezeiung. Irgendwie wurde aus der Puppe das entstellte Wesen, das sie heute ist. Seit zwanzig Jahren können die Schwestern sich nicht mehr voneinander lösen. Das Feuer ihrer kleinen Schwester verbrennt unablässig ihre Haut und treibt sie immer tiefer in Wahnsinn und Angst. Drei Schwestern, deren Wesen einander einst ergänzten: Wie konnte ihre Verbundenheit in einem einzigen Körper zu solcher Qual werden?

Chaotische Flammen brennen um ihren Körper und winden sich um die Klinge in ihrer Hand. Vor Jahren machte sie ihren eigenen Körper zum Brennstoff und zog die Flammen in sich hinein, um die Macht des Chaos zu erlangen. Seitdem ist sie zwischen unbeherrschbarem Wahnsinn und endlosem Schlaf gefangen. Doch sie gewann die Macht, nach der sie gesucht hatte: unvergleichlich, auf dem höchsten Gipfel der Kampfkunst. So sind die Menschen oft. Sie geben alles auf der Jagd nach höchster Meisterschaft in der Kampfkunst und sehnen sich, sobald sie sie erreicht haben, doch nur nach der Ruhe und Wärme eines gewöhnlichen Lebens. Als sie die Medizin „Drei Seelen als eine“ trank, ließ sie das nicht unberührt. Manchmal fragt sie sich, ob jener kurze Augenblick des Zögerns letztlich dazu führte, dass sie nun in dieser Gestalt gefangen sind.

Ein Torwächter unter Wu Xuan, stationiert im Dorf Lu. Er trägt eine schwere Rüstung und einen Helm, der sein einzelnes blutrotes Auge verbirgt. Sein gewaltiger Schild zeigt das Gesicht einer furchterregenden Bestie. Im Kampf schwingt er ihn zu zermalmenden Hieben und weiten Schwüngen oder rammt ihn in den Boden, sodass Staub aufwirbelt. Er kann sich auch dahinter ducken und voranstürmen. Langsam und schwerfällig versucht er gar nicht erst auszuweichen. Er verlässt sich auf seine Rüstung und seinen mächtigen Körper, um jedem Angriff standzuhalten. Er wuchs in Militärlagern auf und kannte nur Hörner und Befehle. Vom gewöhnlichen Leben außerhalb wusste er nichts. Befahl der General ihm, nach Osten zu gehen, ging er nach Osten. Befahl er ihm, nach Westen zu gehen, ging er nach Westen. Als der General ihm befahl, sich der Transzendenz zu unterziehen, gehorchte er schweigend, ohne das geringste Zögern. Sich selbst hat er längst vergessen. Geblieben ist nur die unerschütterliche Fixierung auf seine Pflicht als Wächter. Unbeweglich wie ein Berg hält er seinen Posten und lässt keinen Feind auch nur einen Schritt vorrücken. Schon viel zu lange hat er nicht mehr hinter sich geblickt. Er weiß nicht, dass sich inzwischen rote Fäden durch das Dorf winden und der Boden voller Puppen ist.

Jenseits des Schmugglertunnels wartet Meister Bi Hais Körper im Bach. Seine Mönchsgewänder hängen in Fetzen, und in seinen halb geöffneten Augen liegt noch immer Mitgefühl. Während Gesänge erklingen, senkt sich eine goldene Glocke aus Qi herab und schützt ihn vor Klingen, Feuer und Wasser. Drei Bronzemänner erscheinen, um ihn zu verteidigen. Sie greifen ohne Unterlass an, bis sie zerstört sind. Meister Bi Hai hatte sich lange von der Welt zurückgezogen und nur selten Blutvergießen erlebt. Er wünschte sich nichts weiter als Frieden im ganzen Land und glaubte, die Hingabe an Buddhas Lehre könne die Menschen aus dem Unheil erretten. Doch selbst die alten Tempelmauern konnten die Stimmen der Gier nicht fernhalten. Da erkannte er, dass falsche Lehren längst um sich gegriffen hatten. Meister Bi Yuans Einladung bot ihm die Gelegenheit, diesen Glauben auf die Probe zu stellen. Obwohl er bereits über siebzig war, stellte er sich bereitwillig der Gefahr. Durch seinen Glauben wollte er den Verirrten den Weg weisen und zeigen, dass Erlösung möglich war. Selbst als er wusste, dass der Herold Dorfbewohner als Geiseln genommen und eine Falle gestellt hatte, ging er freiwillig hinein und bot sich im Austausch für ihre Freiheit an. Sein Körper ist gefesselt, unfähig zu leben oder zu sterben. Doch sein unbeirrbares Herz lässt sich von Phantomkünsten nicht in die Irre führen. Nun hat er sich selbst wie eine Lampe verzehrt, um einen einzigen Lichtstrahl der Klarheit zu schenken. Er hofft, dass die Gebetsperlen, die er hinterlässt, den noch immer Gefangenen helfen, die Leere der Fünf Skandhas zu erkennen und vom Leid frei zu werden.

Auf dem Statuenplatz steht Meister Bi Yuans Körper. Seine abgetragenen daoistischen Gewänder können seinen unbeugsamen Geist nicht verbergen. Er führt das Tianxuan-Bronzeschwert, eine stumpfe, schwere Klinge mit schwach schimmernden Rautenmustern. Schwert und Körper bewegen sich wie eins, Angriff und Verteidigung gehen fließend ineinander über. Unzählige Klingen aus Schwertenergie fliegen umher und machen es schwer, sich ihm zu nähern. Bi Yuan kümmerte sich wenig um die Geheimnisse des himmlischen Weges oder die Vervollkommnung seiner Kampfkunst. Unbeschwert zog er durch die Welt, vertrieb Geister aus Dörfern und jagte Dämonen auf den Feldern. Vor einigen Monaten kam er am Dorf Lu vorbei. Er sah, wie sich Puppen ausbreiteten und rote Blumen die Gesichter von Göttern und Buddhas bedeckten. Beunruhigt schrieb er einem alten Freund, verließ seine Sekte und kehrte zurück, um der Sache auf den Grund zu gehen. Er fand Menschen und Puppen gleichermaßen verwirrt und verloren vor. Sie glaubten den Lügen des Herolds des Schleiers. Bi Yuan erhob sein Schwert, um Widerstand zu leisten. Doch die qualvollen Schreie der Puppen ließen ihn zögern, und in diesem Augenblick fesselten ihn die Fäden des Herolds. Nun ist sein Körper gefallen, und die Puppen am Brunnen haben ihre Seelen freigegeben, damit sie wieder frei umherwandern können. Das Dao bleibt ewig namenlos, verborgen jenseits aller Namen. Bi Yuan bereut nichts. Hätte er eine zweite Gelegenheit, würde er denselben Weg noch einmal gehen.

Yuzan ist eine Musikerinnenpuppe der „Gefäßklasse“, die das Prüfgelände für Puppen bewacht. Man könnte sie beinahe für die Zwillingsschwester der Melodie halten. Sie zupft ihre Pipa und verwandelt deren unheimliche Klänge in messerscharfe Klingen. Doch durch Nachahmung erlernte Techniken sind nie fehlerlos. Wer ihre Schallwellen und blauen Schallklingen präzise pariert, wirft sie auf Yuzan zurück. Ihr Schöpfer wollte eine Puppe erschaffen, die „Gefäß Null“ ebenbürtig wäre oder es sogar übertreffen könnte. Yuzan war eines der Ergebnisse dieses Vorhabens. Unter zahllosen Puppen, die das Bewusstsein von Bewohnern des Dorfes Lu trugen, stach sie hervor. Doch ihren Schöpfer konnte sie nie wirklich zufriedenstellen. Ihr Lebenswille und ihre innere Stärke ließen sie die Qualen der Seelenversetzung ertragen. Doch den Mangel an Talent und an Grundlagen in der Kampfkunst konnte sie nie ausgleichen. Letztlich war Nachahmung alles, was sie gut beherrschte. Je mehr die Geduld ihres Schöpfers schwand, desto härter wurden die Strafen. Yuzan konnte nur noch verbissener Pipa üben, in der Hoffnung, eines Tages könnte sie … könnte sie was? Zu „Gefäß Null“ werden? Sie weiß längst nicht mehr, was sie so lange durchhalten ließ. Und je länger sie übte, desto klarer wurde ihr, dass sie niemals zu „Gefäß Null“ werden könnte.

Yanru ist eine der vier Akolythen im Dienst des Hohen Ältesten. Mithilfe einer Vogelscheuche verbirgt sie sich in der Dissonanz. Sie trägt scharlachrote Gewänder und führt einen Fliegenwedel. Yanru entfesselt das Feuer als Waffe des Gemetzels. Ein Schwung des Wedels lässt Feuerbälle durch die Luft rasen. Sie kann in die Höhe springen, Doppelgänger heraufbeschwören, die Feuer von oben regnen lassen, und einen Flammenring bilden, der alles um sie herum versengt. Kommen Gegner näher, brechen Flammen aus ihren Ärmeln hervor. Sie kann auch durch das Feuer entkommen und nur ein brennendes Nachbild zurücklassen. Auf Befehl des Hohen Ältesten jagt sie die Abtrünnigen Firefly und Dusk. Ihr Verstand ist längst dem Wahnsinn verfallen. Sie genießt es, anderen Angst einzuflößen und die Furcht ihrer Beute auszukosten. Für sie ist das Leid der Lebewesen die schönste Opfergabe an die Herrin. Alles Leben ist so unbedeutend wie Unkraut. Wenn die Barmherzige Herrin herabsteigt, werden weltverbrennende Flammen die alte Welt verzehren, während Schmerz und Klagen die neue schmücken … Yanru sehnt sich nach diesem Tag.

Ein Puppenspieler, der sich vom Hohen Ältesten losgesagt hat. Er trägt gelbe Ritualgewänder und eine alte Bronzemaske mit scharlachroten Augen. Ihre feierliche Erscheinung wirkt zugleich unheimlich und bedrohlich. Mit der Puppenspielerglocke befehligt er Puppenkonstrukte und gewaltige abgetrennte Gliedmaßen, die an seiner Seite kämpfen. Er kann auch Doppelgänger heraufbeschwören, um seine Gegner zu verwirren. Nach so langer Zeit im Versteck in der Puppenentsorgungsgrube hat Dusk beinahe den Verstand verloren. Die zerbrochenen Körper um ihn herum sind ausrangierte Versuchsobjekte aus den Puppenexperimenten des Herolds. In ihnen leben noch Bruchstücke des Bewusstseins der Dorfbewohner. Dusk hatte den Befehl, sie in die Grube zu werfen und dort zurückzulassen. Ihre Stimmen verstummen nie: Rettet uns, Meister Dusk … Können wir noch geheilt werden … Bringt uns nach Hause … Immer wieder schneiden sich ihre Bitten in seinen Geist. Um die Herabkunft der Herrin aufzuhalten, unterzog er sich freiwillig der Transzendenz und täuschte dem Herold seine Treue vor. Den Dorfbewohnern versprach er, eine Medizin gegen die Schlafkrankheit zu entwickeln. Er und seine kleine Schwester Firefly hatten einander auch versprochen, nach alledem einen warmen Ort zu finden und gemeinsam Blumen zu pflegen … Doch das ist aus ihnen geworden. Von Schuld und Sha-Chi verzehrt bittet Dusk Soul, seinem Leben ein Ende zu setzen. Mit seinem letzten Rest klaren Bewusstseins verbrennt er, was von seinem Körper geblieben ist, und enthüllt Soul das schreckliche Ritual des Hohen Ältesten.

Mu Tianmiaos einzige Tochter und Souls Kindheitsfreundin. Xiaokui ist lebhaft, offen und selbstbewusst. Schon als Kind liebte sie die Schwertkunst und zeigte außergewöhnliches Talent. Mit ihrem schlanken Schwert Wilder Pirol kämpft sie schnell und anmutig. In einem Augenblick führt sie zehn Hiebe, während sich Schwertschatten um sie herum verteilen. Leicht wie eine Schwalbe beherrscht sie Hiebe und Stiche aus der Luft. Ihre Angriffe sind von einer Schärfe und Lebendigkeit erfüllt, die nur ihr zu eigen sind. Dann änderte sich alles. Ihr Vater, den sie immer für unerschütterlich gehalten hatte, wurde ermordet. Und der Mörder war Soul. Zuo Shang schien es beinahe sofort hinzunehmen. Er tröstete sie und versprach, Shifu zu rächen und ihr wie auch dem Orden eine Antwort zu geben. Doch Xiaokui wünschte sich, er würde ihr sagen, dass alles nur ein Missverständnis sei. Ihre glücklichen Tage zusammen schienen noch so nah. Ihr Vater sprach ständig von seinen Idealen. Trotzdem ließ er ihr ihre Ausreden durchgehen, mit denen sie Soul zum Schwertüben weglockte, während Zuo Shang zurückblieb und ihm Gesellschaft leistete. Sie alle waren ihre geliebte Familie. Was war also geschehen? Warum war der Mensch, dem sie bedingungslos vertraut hatte und mit dem sie durch das Wulin ziehen und Unrecht bekämpfen wollte, ohne jede Erklärung fortgegangen? Warum war er allein nach Pangzhen aufgebrochen, verfolgt vom Orden?

Vor Jahren gaben sie und Soul einander ein Versprechen: Sollten sie je die Klingen kreuzen, würde keiner von beiden sich zurückhalten. In diesem Kampf bewegt sie sich blitzschnell, stößt vor und weicht zurück, ohne eine Blöße zu zeigen. Kraft sammelt sich in beiden Armen. Jeder Schlag ist fest und kontrolliert. Die Techniken von Jadetänzerin und Eisendämon vereinen sich in ihr und machen sie beinahe unaufhaltsam. Sorgfältig ordnet sie die Trauer um ihren Vater, Souls rätselhaften Aufbruch, die sich anbahnenden Veränderungen im Orden und die Sorge der Menschen um sie herum. Sie zwingt sich, ruhig zu bleiben und die richtige Entscheidung zu treffen. Sobald die Angelegenheiten des Ordens geregelt sind, will sie Soul gegenübertreten und eine Antwort verlangen. Sie wird mit aller Kraft gegen ihn kämpfen, damit er begreift, wie wütend und verunsichert sie ist: über seine Heimlichtuerei, seinen wortlosen Abschied und seinen selbstgerechten Entschluss, jede Last allein zu tragen. Als die Klingen aufeinanderprallen und Funken sprühen, scheint für einen Augenblick alles stillzustehen. In diesem Moment findet sie ihre Antwort. Vor ihr steht noch immer der Soul, den sie kannte. Genau wie sie hat er sich nicht verändert. Selbst wenn er sich weigert, ihr etwas zu erklären, wird sie die Wahrheit und ihre Antworten selbst finden.

Eine Frau mit kühlem Gesichtsausdruck. Unter jedem Fuß trägt sie eine lange Klinge der Dämonensägen. Mit geschmeidigen Beinen führt sie die beiden Waffen, bewegt sich blitzschnell und setzt unvergleichliche Hiebe. Gemeinsam mit Eisendämon bildet sie die junge Herrin Mu Xiaokui aus und beschützt sie. Dabei sind die beiden vollkommen aufeinander eingespielt. Jadetänzerin war eine Waise, die der Schattenfürst einst aus höchster Gefahr rettete. Später nannte die kleine Mu Xiaokui sie „Schwester“ und versprach, ihre Familie zu sein. Da erwachte Zuneigung in dieser Frau, die ihr Herz stets kühl und verschlossen gehalten hatte. Aus der Pflicht einer Leibwächterin wurden bald tiefe Fürsorge und Treue. Auf dem Übungsplatz ist sie unerbittlich mit der jungen Herrin. Abseits davon zeigt sie ihr geduldig, auf welche Punkte sie drücken muss, um die Schmerzen in ihren Knöcheln zu lindern. Jedes Geschenk der jungen Herrin bewahrt sie still auf. Vielleicht hat sie sogar mehr Tage an ihrer Seite verbracht als der Schattenfürst selbst. Nach dem Tod des alten Schattenfürsten Mu regten sich verborgene Kräfte im Orden, und auch im Wulin folgte eine unerwartete Wendung auf die nächste. Niemand weiß besser als Jadetänzerin, wie schwer die Last auf den Schultern der jungen Herrin wiegt. Mehr noch als um die Zukunft des Ordens fürchtet sie um deren Leben.

Ein Kampfkünstler, der mit Eisenhandschuhen kämpft, und der große Bruder von Eisenfieber. Sein Körper ist gewaltig, sein Gesicht streng. In Ruhe steht er fest wie ein Berg, seine Faustschläge treffen mit ungeheurer Wucht. Gemeinsam mit Jadetänzerin bildet er die junge Herrin Mu Xiaokui aus und beschützt sie. Dabei sind die beiden vollkommen aufeinander eingespielt. Die Fehden seiner Sekte waren beigelegt, doch unter der Oberfläche des Wulin brodelte es weiter. Eisendämon wollte sich aus diesen Wirren zurückziehen. Dann erreichte ihn die Einladung des Ordens. Dessen „Regeln“ überzeugten ihn, sich ihm anzuschließen. Im Orden übernahm Eisendämon den Schutz der jungen Herrin. Die Schwachen zu beschützen und seine Fäuste gegen die Starken zu erheben, war schon immer der Weg seiner Kampfkunst gewesen. Mit der Zeit wuchs seine Verbundenheit nur noch. In Xiaokui erkennt er ein aufrichtiges, gütiges Herz und die Kraft, andere zu führen. Sie ist es wert, mit dem eigenen Leben beschützt zu werden. Er wird alles tun, um ihr beim Heranwachsen zur Seite zu stehen. Nun ist der alte Schattenfürst tot, und Soul, eines der Schattenedikte, hat sich vom Orden losgesagt. Der Orden ist in Aufruhr. Eisendämon beklagt das Geschehene, will aber kein Urteil fällen. Die Entscheidung der jungen Herrin ist auch seine.

Ein Hauptmann der Schattenwächter in scharlachroten Gewändern und mit einer goldenen Maske. Er führt zwei mit Phosphorpulver gefüllte Kettenhämmer. Wenn die Ketten wirbeln, verstreut sich das Pulver und setzt Gegner bei Berührung in Brand. Schlägt er die Hämmer in den Boden, kann um ihn herum ein Regen aus Phosphorfeuer niedergehen. Als jemand, der Feuer führt, weiß Blaze genau, wie heftig Phosphorflammen brennen können. Er begegnete ihnen stets mit Vorsicht und Respekt. Auch das Gedankensiegel in ihm sorgt dafür, dass ihm der Orden über alles geht und er kaum an sein eigenes Wohlergehen denkt. Das änderte sich, als er auf einer Mission zufällig einen Wanderheiler rettete. Zum Dank bot der Heiler ihm eine Maske an und meinte, jemand von Blazes Rang verdiene etwas Prächtiges, das seiner Stellung gerecht werde. Blaze wollte ablehnen, doch der Heiler schwor bei seinem Leben, die Maske könne ihm helfen, Sha-Chi zu beherrschen, und seine Kampftechniken erheblich verbessern. Tag für Tag, Jahr für Jahr hatte Blaze dieselben Techniken wiederholt, nur um das Phosphorfeuer im Zaum zu halten. Die Eintönigkeit hatte ihn längst zermürbt. Auch die Enttäuschung, nach Jahren als Hauptmann nie in die Reihen der Meister des Ordens aufgestiegen zu sein, brannte schon lange in ihm. In diesem Augenblick fand er keinen Grund mehr, abzulehnen.

Die goldene Maske verbarg das Phosphorfeuer, das am Gedankensiegel nagte, und schien es sogar noch heißer brennen zu lassen. Am Ende blieb vom Gedankensiegel nur ein schwacher Rest. Innen war es längst ausgebrannt. Dann setzte derjenige, der hinter allem stand, leise die Fäden in Bewegung. Noch bevor Blaze es bemerkte, rissen die Dochtfäden, die sein Ich zusammenhielten, einer nach dem anderen. Das Gedankensiegel zerfiel zu Asche. Plötzlich schlugen gewaltige Flammen empor und brachen durch seinen Schädel. Von ihm blieb nur ein fahles grünes Feuer, das an seinem Körper haftete. Der sengende Schmerz breitete sich wie eine Seuche in all seinen Gliedern aus und machte sein Bewusstsein zum Brennstoff des Phosphorfeuers. Auf dem Höhepunkt des Brennens ergriff ihn eine seltsame Kälte, die bis in die Knochen drang. Doch was von seinem Körper geblieben war, hielt stand und versprühte nach Belieben Phosphorfeuer. Es war, als hätte die Linderung eines unerträglichen Juckreizes einen Hauch von Lust geweckt. „Siehst du? Hat der Wanderheiler dich etwa belogen?“ Die Stimme hallte durch das, was von seinem Geist geblieben war … Ja. Die Maske konnte tatsächlich dabei helfen, Sha-Chi zu beherrschen … Nur hatte nie er selbst davon profitiert, sondern derjenige, der die Fäden zog.

Ein Elite-Schattenwächter, der die Straßen Pangzhens bewacht. Von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet steht er still und undurchdringlich wie eine mondlose Nacht. Die beiden Schneiden des Armeebrechers in seinen Händen sind blutbefleckt. Seine Bewegungen sind weit und kraftvoll. Jedes Heben und Senken verrät jahrelanges diszipliniertes Training. Seine Säbelkunst wechselt fließend zwischen Vorstoß und Rückzug. Er stößt zu, spaltet und schlägt weit aus. Die Klinge lässt Schutt und Staub durch die Luft tosen, ihre Wucht lastet auf der ganzen Straße. Einst war er ein Elitekämpfer des Mandats, wild und furchtlos im Kampf. Der bis in seine Knochen eingeprägte Drang, Befehlen zu gehorchen, wurde durch das „Gedankensiegel“ nur noch stärker. Steht er einem Feind gegenüber, wägt er weder Gewinn noch Verlust ab und hegt keinen einzigen eigenen Gedanken. Er lebt nur, um die Befehle des Schattenfürsten auszuführen, ohne Furcht vor dem Tod und unaufhaltsam im Vorstoß. Jede Schlacht ist ein Fest des Kampfes, allein für ihn bestimmt. Er und der Armeebrecher sind längst eins geworden. Sein Körper ist die Klinge. Der Befehl ist sein Weg.

Ein Elite-Schattenwächter, der die Docks von Pangzhen bewacht. Seine schwarzen Gewänder wirken feierlich. Kleidung und Erscheinung ähneln denen von Kavallerieschlächter, der die Straßen verteidigt. Häufig begleiten ihn zwei Schülerinnen der Baishan-Sekte, die auf seinen Befehl handeln. Er führt ein Paar Trennende Haken, die im Kampf wie Ringe kreisen. Seine Techniken sind präzise und diszipliniert, für Angriff wie Verteidigung geeignet. Besonders geschickt versteht er es, aus der Verteidigung zum Angriff überzugehen. Man sagt, er habe ein halbes Leben lang die Regeln und Gebote seiner Sekte befolgt und fest daran geglaubt, dass sich Gerechtigkeit durchsetzen würde. Doch als seine Angehörigen und Schwurfreunde zu Unrecht eingekerkert und hingerichtet wurden, durchschaute er die sogenannte Rechtschaffenheit und Ordnung des Mandats. Sie waren nichts als leere Worte. Er ließ seine Vergangenheit hinter sich und verschrieb sich der Ordnung des Schattenfürsten. Seelenräuber handelt niemals ohne sorgfältige Vorbereitung und wird niemals in einen Kampf ziehen, ohne sich des Sieges sicher zu sein. Die weltliche Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch interessiert ihn nicht. Für ihn zählt allein, dass Regeln befolgt werden und die Ordnung gewahrt bleibt. In seinen Augen sind Regeln der Inbegriff von Gerechtigkeit. Doch gegen Soul erwiesen sich selbst seine sorgfältigen Berechnungen als unzureichend.

Ein Meister der Flammenklinge in Gewändern mit Feuermustern. Die Maske, die einst seine Brandnarben verbarg, bedeckt nun ein hohles Gesicht und unterdrückt das rasende Sha-Chi der Transzendenz. Seine Klinge braucht keine äußere Flamme: Das Feuer entspringt dem Stahl selbst, und jeder weite Hieb entfesselt ein loderndes Inferno. Vor Jahren überlebte Zhu Yuan ein Schlachtfeld, das in Flammen aufging. Er sah, wie selbst die schnellsten Klingen und die dichtesten Pfeilsalven in der Feuersbrunst verschwanden. Fasziniert von dieser alles verzehrenden Macht widmete er sich dem Studium des Feuers und härtete seine Schwertkunst in dessen Hitze. Selbst Verbrennungen am ganzen Körper konnten ihn nicht von seinem Streben abbringen, die Flammen zu beherrschen. Die Öfen des Sha-Chi-Turms brennen Tag und Nacht. Unablässig fließt geschmolzenes Metall. Mit einer hier zurückgelassenen Vorrichtung wurde Zhu Yuan verwandelt. Sein Körper konnte nun extremer Hitze standhalten, und seine Klingenkunst erreichte neue Höhen. Er rang mit den Flammen, bis es ihm endlich gelang, Feuer und Klinge zu vereinen und das Feuer durch Sha-Chi zu beherrschen.

Ein General, der seine Truppen einst in blutige Kämpfe gegen die Maskenwanderer führte und später in den Hintergassen von Pangzhen stationiert war. Seine schwere Rüstung hat denselben Ursprung wie die von Zhuo Bi, dem Torwächter des Dorfes Lu. Wie ein eiserner Turm ragt er empor und schwingt seine Stachelkeule mit vernichtender Wucht und der Blutgier eines tollwütigen Wolfs. Wird er in die Enge getrieben, verwandelt er Sha-Chi in Chaotische Flammen, um seine Feinde zu versengen. Zahllose Transzendierte starben durch seine Hand, und ihre Vorrichtungen wurden in seinen eigenen Körper eingepflanzt. Noch immer lebt er in jener Zeit, als Horden von Maskenwanderern das Land durchstreiften. Allen Einwänden zum Trotz befahl er seiner gesamten Armee, sich der Transzendenz zu unterziehen, nur um mitanzusehen, wie all seine Kameraden dem Wahnsinn verfielen. Nachdem er sie eigenhändig getötet hatte, ließ er ihre Vorrichtungen mit seinem Fleisch verwachsen. So hoffte er, sie nach Hause bringen zu können. Doch die Verderbnis sitzt bereits zu tief. Mit jeder weiteren Vorrichtung schwindet seine Menschlichkeit. Sein Bewusstsein wechselt inzwischen für kurze Augenblicke zwischen dem Reich des Erwachens und der Dissonanz und nähert sich sogar deren Tiefen … Nun begreift er, dass dort ihre wahre Heimat liegt. Er muss noch mehr Vorrichtungen verschlingen, ihr immer näher kommen und der Verderbnis die zahllosen Seelen der Toten zuführen!

Eine hagere Frau in Weiß wacht an einem trockenen Brunnen und singt immer wieder davon, dass sie den Ruf ihres Geliebten gehört habe. Wer ihren Wahn zu stören wagt, wird von ihren fließenden Ärmeln wie von Klingen erfasst und durch Phantomkünste in endloser Dunkelheit gefangen. Einst sah sie, wie ein Schüler des Hohen Ältesten mit dem Klang einer Zither unzählige Illusionen schuf, eine schöner als die andere. Ohne zu zögern folgte sie ihm. Doch was der Hohe Älteste lehrte, war nur eine andere Form der Sha-Chi-Transzendenz. Nie fand sie einen Weg, Oper und Phantomkünste zu verbinden. Stattdessen wurde ihr Gesicht immer verzerrter und entstellter. Erst ein Brief ihres Geliebten gab ihr die Entschlossenheit, alles zu riskieren und diesem Irrweg zu entkommen. Sie entkam nur knapp mit dem Leben und floh aus der Sekte. Ihr entstelltes Gesicht verbarg sie hinter einer Maske und unterdrückte ihr Sha-Chi, um den Ort zu erreichen, an dem sie und ihr Geliebter sich treffen wollten. Doch in ganz Pangzhen war kein vertrautes Gesicht zu finden. Mit ihren seltsamen Künsten suchte sie nach ihm und fand nur eine verbliebene Spur seiner Erinnerung. Zu Lebzeiten hatte er ihr gern beim Singen zugehört. So wurde der Brunnen zu ihrer Bühne und sie zu einer Frau, gefangen zwischen Oper und Traum … Solange sie weitersingt, wird ihr Geliebter zurückkehren. Selbst wenn jedes Lied von ihrem Weinen erfüllt ist.

Ein Heiler, der die Hintergassen von Pangzhen zu seinem Revier gemacht hat. Er trägt eine mit Kupfermünzen geschmückte Maske. Seine Heilkunst übertrifft die seiner Berufsgenossen bei Weitem und bringt ihm die Bewunderung der Transzendierten ein. Doch seine Behandlungen verbrauchen viel mehr Sha-Chi als die gewöhnlicher wahnsinniger Heiler. Das tragische Schicksal seines Meisters lehrte ihn, dass selbst wohlwollende Heiler ein bitteres Ende finden können, während die Unbekanntheit seines jüngeren Kollegen Xie Xiaorong zeigte, dass jahrelange harte Arbeit dennoch unbemerkt bleiben kann. Zusammen wurden diese Erkenntnisse zu Ausreden für seine eigenen vergeudeten Jahre und seinen gescheiterten Ehrgeiz. Als sich die Perfekte Transzendenz in Pangzhen verbreitete, sah er seine Chance. Mit seiner Heilkunst lockte er transzendierte Frauen der Baishan-Sekte an und entzog ihnen ihr Sha-Chi. Einen kleinen Teil dieser gestohlenen Kraft gab er dann an verzweifelte Hilfesuchende weiter. Seine Patienten priesen ihn als den größten Heiler ihrer Zeit, während kaum jemand die Leichenberge der Transzendierten bemerkte. Die Kupfermünzen an seiner Maske klimpern, während er gierig das süße Sha-Chi trinkt. Er hat diesen Elenden ein paar weitere Lebenstage geschenkt. In seinen Augen macht ihn das zum wahren Heiler, der über Leben und Tod entscheidet.

Ein Maskenwanderer, der an Pangzhens Wasserwegen Jagd auf die Lebenden macht. Er trägt den Eisernen Loong-Helm und ist im Wasser ebenso zu Hause wie an Land. Mit einem einzigen Fischspeer kann er das Wasser zu gewaltigen Wellen aufwühlen. Er nutzt das Wasser zu seinem Vorteil, steigt auf und taucht unter, erscheint und verschwindet spurlos. Jeder Fluss, jeder See und jeder Sumpf ist sein Jagdrevier. Einst war er der Anführer der Schwarzwasserbande. Mit seinem Mut vertrieb er Flussbanditen und sicherte die Wasserwege. Er gewann das Vertrauen der Menschen, und sie wählten ihn zu ihrem Anführer. Die Bande gedieh. Ihre eigenen Docks und Wasserwege sicherten den Lebensunterhalt der Menschen ringsum. Viele Helden kamen, um sich ihm anzuschließen. Einige Ältere wählten diesen Ort als Zuflucht für ihren Lebensabend. Später kamen die drei Säulen von Kunlun, um die Maskenwanderer zu jagen. Die Schwarzwasserbande wollte dem Mandat helfen und verband ihre Wasserkünste mit der Perfekten Transzendenz. Stattdessen verwandelten sich alle Mitglieder der Bande. Unter Wasser lauerten sie den Lebenden auf und jagten sie … Doch sie waren noch immer Brüder. Gegen Soul konnte er nicht bestehen, und der Eiserne Loong-Helm wurde schwer beschädigt. Das Sha-Chi in ihm ließ sich nicht mehr unterdrücken. Also floh You Loong durch das Wasser … Er darf hier nicht sterben. Sonst hätten die Jungen und Alten des Dorfes und seine Brüder in der Bande niemanden mehr, auf den sie sich verlassen könnten …

Lei Ting ist eine der vier Akolythen im Dienst des Hohen Ältesten. Mithilfe einer Vogelscheuche verbirgt sie sich in der Dissonanz. Sie trägt dunkelgrüne Gewänder und hält einen Fliegenwedel in der Hand. Blitze sind ihre tödliche Waffe. Ein Schwung des Wedels lässt Blitzsäulen vom Himmel niederfahren. Sie kann mit den Blitzen dahinschnellen und eine kreisförmige Blitzformation um sich ausbreiten, die alles in ihrer Nähe trifft. Zunächst befahl ihr der Hohe Älteste, sich nach Pangzhen einzuschleichen und den Herold zu überwachen. Doch die Fadenbinder waren zu gut bewacht, als dass sie eine Gelegenheit gefunden hätte. Später wandte sie sich auf seinen Befehl dem Banyan mit Menschengesicht zu, an dem immer wieder seltsame Erscheinungen auftraten. Der Baum ist voller Sha-Chi. Wenn sie einen Weg findet, diese Macht an sich zu reißen, könnte sie damit den Riss öffnen und die Herabkunft der Herrin beschleunigen … Die Gesetze der Menschen sind viel zu nachsichtig. Doch wenn die Barmherzige Herrin herabsteigt, wird der göttliche Donner der Neun Himmel über alles richten. Falsche Grundsätze werden zerbrechen, Sünden bestraft werden, und absolute Gerechtigkeit wird die Welt neu formen … Daran glaubt Lei Ting ohne jeden Zweifel.

Donner zerreißt den Himmel. Ein Reiter und sein Pferd stürzen aus den Wolken. Er ist ein Meister der Speerkunst und hat sich im Orden große Verdienste erworben. Er ist ruhig, besonnen und aufrichtig: Chang Hong, Souls alter Waffenbruder. Als junger Mann lernte Chang Hong die Speerkunst von einem betagten Geleitwächter. Nach einem Monat beherrschte er sie vollständig. Danach zog er mit der Speerspitze Muster ins Wasser und übte ohne Unterlass, bis seine Kunst Blitze sammeln und Donner herbeirufen konnte. Nach den grausamen Kriegen außerhalb des Wulin wünscht sich Chang Hong nur ein wenig Frieden, im Wulin ebenso wie im Orden. Er verwendet nur selten seinen wahren Namen und geht unauffällig seiner Wege. Selbst als er heiratete und ein Kind bekam, lud er nur eine Handvoll enger Freunde zum Fest. Wenn er einem Zeitvertreib nachgeht, dann sitzt er in einer Ecke des Pavillons des Wissens und schenkt sich einen Becher ein. Nun begegnet er Soul erneut. Ist er gekommen, um die Last auf seinem Herzen loszuwerden, oder um einen Befehl des Ordens auszuführen?

Die Verstrickungen des Wulin sollten auf die Weise des Wulin gelöst werden. Wie soll man erkennen, was wirklich im Herzen seines Gegners liegt, wenn man nicht alles gibt? Chang Hong ruft sein geliebtes Pferd. Ein Schwung seines Speers bewegt Wind und Wolken, und Blitze antworten. Reiter und Pferd bewegen sich wie eins. Unter donnernden Hufen stürmen sie voran. Sein Speer fährt herab und treibt Blitze in die Erde. Sie winden sich wie silberne Schlangen über den Boden und lassen dem Gegner kaum Raum zum Ausweichen. Im Schlagabtausch prallen Blitze und Klingenschatten immer wieder aufeinander, bis Souls Dolch an Chang Hongs Hals liegt. Obwohl er besiegt ist, spürt Chang Hong, wie eine Last von seinem Herzen fällt. Dies ist noch immer der Soul, den er kennt, mit unvermindertem Kampfgeist. In diesem Kampf hat Soul bewiesen, dass er entschlossen ist, alles allein zu tragen. Es gibt nichts mehr zu sagen. Chang Hong verabschiedet sich von seinem alten Freund, schultert seinen Speer und steigt auf sein Pferd. Unter Wiehern und rollendem Donner reitet er davon. Die Schwere in seinem Herzen ist verflogen.

Tief in den von Sha-Chi erfüllten Ruinen der Löwentanzhalle erhellt Feuer die Nacht. Großmeister Flame hält den stählernen Löwenkopf hoch, während sein Stellvertreter, der alte Mo, hinter ihm den Schwanz führt. Beide steigen auf die brennenden Pflaumenblütenpfähle, springen und drehen sich vollkommen im Einklang. Jede Bewegung zeigt die Erhabenheit des mächtigen Löwen. Doch beide Tänzer werden von Masken beherrscht, die auf ihre Gesichter genäht sind. Jeder Sprung und jeder Vorstoß trägt Mordlust in sich. Auf beiden Seiten des Löwenkopfs wirbeln Sägeblätter wie die Fangzähne einer Bestie und verschlingen alles vor sich. Das Feuer aus dem Löwenmaul kann das Böse nicht mehr vertreiben. Vom Sha-Chi genährt verbrennt es stattdessen alles um sich herum. Die Katastrophe begann mit den Glocken am Vorabend des neuen Jahres, die das Sha-Chi aufwühlten. Die unkontrollierten Flammen entfesselten ein Gemetzel und verbrannten die Bewohner des Anwesens ebenso wie die Löwentanzlehrlinge. Flame selbst blieb schwer verwundet und dem Tod nahe im Flammenmeer zurück. Dort unterzog Leng Tu ihn der Perfekten Transzendenz und nutzte die Maske, um seinen Geist zu beherrschen. Ein Löwentänzer, dessen Aufgabe es war, das Böse zu bezwingen, würde nicht selbst zu etwas Bösem werden. Mit seinem letzten Willen versiegelte er seine eigenen Meridiane und unterdrückte seine Mordlust. Er wartet darauf, dass ein neuer Pflücker des Grüns durch die Flammen kommt, dieser Katastrophe ein Ende setzt und an seiner Stelle das Böse der Welt verbrennt.

Noch immer tanzt er inmitten der Flammen, wie einst unter dem Jubel der Menge, um das Böse zu vertreiben und den Menschen Segen zu bringen. Auf dem Höhepunkt des Kampfes steht er auf den Pflaumenblütenpfählen und stößt einen langgezogenen Ruf aus, um seine Schüler zum gemeinsamen Tanz zu rufen. Alle Löwentanzlehrlinge hier sind der Perfekten Transzendenz zum Opfer gefallen und haben den Verstand verloren. Sie verwandeln die Kunst des Löwentanzes in tödliche Techniken und stürmen auf Soul zu. Doch Soul besiegt sie einen nach dem anderen und nimmt den Löwenkopf an sich. Hinter seiner Maske sieht er, wie Soul auf die hohen Pfähle springt und als Löwentänzer kämpft. In ihm erkennt er die Hoffnung, dass die Kunst fortbestehen wird. Der Pflücker des Grüns, auf den er gewartet hat, ist endlich gekommen, um an seiner Seite den letzten Tanz zu vollführen. Als der Tanz sein Ende erreicht, setzt Soul Flames Löwenkopf auf. Die leuchtenden Augen des Löwen begegnen Flames Blick, und im selben Augenblick befreit sich sein eigener Wille von der Kontrolle der Maske. Flame weiß, dass sein Leben fast vorüber ist. Vor ihm steht ein neuer Löwentänzer. In jenen Augen sammelt sich die geistige Kraft von Himmel und Erde. Der Großmeister kann endlich in Frieden gehen. Mit dem Löwenkopf vertraut er Soul die Kunst des Löwentanzes und den Willen an, das Böse zu vertreiben.

Auf dem kargen Boden des Friedhofs nagt Xue an verwesenden Leichen. Ihr hungriger Blick wandert über die Lebenden und Toten in Sichtweite. Während sie ihre Harke wild schwingt, kann sie mehrere Schatten in ihrer eigenen Gestalt herbeirufen. Auf der Flucht im vergangenen Jahr wäre Xue beinahe an Kälte und Hunger gestorben. Zum Glück rettete sie eine Gruppe umherziehender Helden und versprach, sie zu beschützen und in den Kampfkünsten zu unterweisen. Doch diese Versprechen endeten im Kampf gegen Maskenwanderer vor dem Lager. Sie weiß nicht mehr, wer ihr gesagt hatte, sie solle sich gut verstecken, und versprochen hatte, zurückzukehren … Als sie nach ihnen suchte, fand sie nur einige verstümmelte Leichen, deren Gesichter nicht mehr zu erkennen waren. Xue begrub die Leichen, sammelte die verstreuten Dinge ein und wartete still auf die Rückkehr der Helden … Doch ihr Gepäck wurde immer leerer. Etwas Essbares war längst nicht mehr darin. Als der Hunger erneut kam, grub sie die lockere Erde vor sich auf. Eine Stimme in ihrem Kopf sagte ihr, dort ließen sich Gemüsewurzeln und Süßkartoffeln finden …

Wan Jun, ein gewaltiger Hammerkämpfer, bewacht das Lager des Mandats. Sein Körper ist von den Narben der Perfekten Transzendenz gezeichnet. Sein Goldkürbis kann mit jedem Schlag Fels zertrümmern und den Boden erschüttern. Die Menschen fürchteten Wan Juns Kraft und verspotteten seinen langsamen Verstand. Nur bei den Tauben, die sich auf seinen Armen niederließen, fand er Gesellschaft. Huangxing schalt ihn, weil er solche Kraft an Vögel verschwendete. Er lehrte ihn die Perfekte Transzendenz und versprach, sie werde seinen Verstand schärfen und ihn zu einem im ganzen Wulin bewunderten Krieger machen. Noch nie hatte jemand so viel von Wan Jun erwartet. Von da an folgte er Huangxing bedingungslos. Selbst als das Sha-Chi seinen Verstand trübte, blieb er am Lagertor und führte dessen Befehle aus. Das Lager liegt nun in Trümmern, doch die Tauben verweilen noch immer bei ihm. Als Soul ihn schließlich besiegt, durchzuckt ein Gedanke seinen schwindenden Verstand: Huangxings Versprechen, die Perfekte Transzendenz habe keinen Preis, war eine Lüge.

Eine geheimnisvolle Frau in Rot, die einst auf dem Taubenschlagturm erschien. Ihre Schwertkunst ist leicht und anmutig, doch Sha-Chi hat ihr Gesicht bereits zu einer verzerrten Höhlung ausgebrannt. Ein Rest Verstand ist ihr geblieben. Sie verharrt auf dem Turm, als warte sie auf jemanden, der ihr wichtig ist. Als sie gegen Soul kämpfte, wollte sie daher nicht ihre ganze Kraft einsetzen. Vom Sha-Chi getrieben konnte sie sich kaum beherrschen. Sie stammte aus einer verruchten Sekte und verliebte sich in den Obersten Schüler einer Sekte des Mandats. Die Führung des Mandats konnte die Sekte, der sie angehörte, nicht dulden. Ihre Liebe wurde zum Vorwand, sie zu verfolgen. Man unterwarf sie einer Demütigung nach der anderen und ließ sie dann scheinheilig am Leben. Wie widersinnig. Dieselben Anführer wollten sich unmenschlichen Wesen nicht entgegenstellen, scheuten aber keine Mühe, gegen eine kleine Sekte vorzugehen, die abgeschieden lebte. Sie erklärten sich selbst zum Pfad der Rechtschaffenheit und besaßen doch nicht einen Bruchteil des Mutes und der Aufrichtigkeit ihrer Schüler. Um zu überleben und sich zu rächen, unterzog sie sich der Transzendenz. Doch wenn sie nun auf dem Turm steht und auf das verwüstete Lager des Mandats hinabblickt, fragt sie sich dann, ob alles umsonst war? Oder bereut sie nichts von der Liebe und dem Hass, die ihr Leben bestimmten?

Unter der Führung des Obersten Schülers führen die sieben ihre Schwerter wie eines. Sie sind in der Form des Großen Wagens angeordnet, daher der Name Sieben-Sterne-Formation. Nach der Perfekten Transzendenz verband sie das Sha-Chi. Ihre Bewegungen bei Angriff und Rückzug sind vollkommen aufeinander abgestimmt. Die sieben waren stolz auf ihre Aufrichtigkeit. Sie widmeten sich dem Bestrafen des Bösen, dem Wahren der Gerechtigkeit und dem Vervollkommnen ihrer Schwertkunst, ohne sich mit anderen messen zu wollen. Doch der Oberste Schüler verliebte sich in eine Frau aus einer verruchten Sekte und verstieß damit gegen die Regeln des Mandats. Obwohl seine Schwertkunst ihresgleichen suchte und seine vielen Verdienste den Verstoß längst aufgewogen hatten, verweigerte ihm der Bund jeden Aufstieg und drängte ihn immer wieder an den Rand. Er lachte nur darüber und ertrug jede Ungerechtigkeit. Er wollte weder die Frau verraten, die er liebte, noch seine Sekte. Zwischen den unversöhnlichen Wegen der „Rechtschaffenheit“ und des „Bösen“ suchte er einen Weg, den er mit reinem Gewissen gehen konnte. Doch oft hatte er das Gefühl, seinen kleinen Brüdern, die ihm all diese Jahre gefolgt waren, zu viel schuldig zu sein. Sie machten ihrem großen Bruder nie Vorwürfe. Stattdessen brannten sie vor Empörung über das Unrecht, das ihm widerfuhr. Dann zerstörte jener Vorfall … auch den letzten Rest ihrer Achtung vor der Führung des Bundes. Sie erkannten, dass ihr demütiges Nachgeben sie nur zu Spielfiguren machte, die man nach Belieben benutzen und mit Füßen treten konnte. Von Groll verzehrt unterzogen sie sich der Perfekten Transzendenz. Der Bund nahm dies zum Anlass, sie auszuschließen. So wurden sie im Wulin noch unbekannter, besonders ihr Oberster Schüler, der herausragende Schwertkämpfer an der Spitze der Formation.

Auf der hohen Plattform fangen drei Schüler einen roten Faden mit ihren Schwertspitzen auf und ziehen den Obersten Schüler daran empor, bis er kopfüber in der Luft hängt. Von den Fäden gezogen schwingt er die Klinge in seinen Händen, wie eine Puppe, die sich von ihren Fäden loszureißen versucht. Wie ein Gespenst versprüht er unzählige messerscharfe rote Fäden aus den schwarzen Höhlungen seines Gesichts. Sie winden sich durch die Luft und schneiden hindurch wie blutige Tränen. Einst liebte er eine Frau aus einer verruchten Sekte. Die Führung des Mandats duldete ihre Liebe nicht und trennte das Paar mit einem einzigen Befehl. Der Oberste Schüler hatte kaum etwas außer seiner Schwertformation gekannt. Was wusste er schon von Intrigen? Zum ersten Mal in seinem Leben lehnte er sich unbeholfen gegen seine Sekte auf. Dafür konnte er nur hilflos zusehen, wie seine Liebste gefoltert und mit Wunden übersät wurde. Selbst seine unvergleichliche Schwertformation konnte diejenige nicht beschützen, die er beschützen wollte. Als sein Herz gebrochen war, blieb kaum etwas, dessen Verlust er noch fürchtete. Alles, was ihm geblieben war, vertraute er den Fäden an. Was macht es schon, wenn er wie eine Puppe kopfüber hängt? Wenigstens würden sie die Fäden dieser Puppe selbst in den Händen halten.

Die ranghöchste Schülerin der Baishan-Sekte und erste Schülerin Bi Taotaos. Als Soul Wu Lengshuang am Ort der Gefangenschaft begegnete, war ihre Maske bereits gesprungen. Sie kämpfte darum, das Sha-Chi zu unterdrücken, das in ihr aufwallte. Mit ihrem biegsamen Schwert, geschmeidig und doch unnachgiebig, bewahrte sie ihre gewohnte Anmut und Würde. Wie Bi Taotao war Wu Lengshuang davon überzeugt, dass sowohl die Perfekte Transzendenz als auch die Transzendenz unorthodoxe Künste seien. Nachdem ihre Meisterin verschwunden war, machte sie sich auf die Suche nach ihr und der Wahrheit. Hätte sie es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte sie nie geglaubt, dass ihre Mitschülerinnen in Maskenwanderer und Puppen verwandelt worden waren. Nachdem sie die Wahrheit aufgedeckt hatte, wurde auch sie verwandelt. Selbst als ihr Sha-Chi außer Kontrolle geriet, sorgte sie sich noch um ihre Meisterin, die ans Ende des Bergpfads gebracht worden war. Einst war sie die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns. Doch als sie die Wirren der Welt sah, beschloss sie, die Kampfkunst zu erlernen. Die Geschmeidigkeit, die sie sich beim Tanzen angeeignet hatte, verwandelte sich unter dem Einfluss des Sha-Chi in rasende Schwertangriffe. Einst war sie die ranghöchste Schülerin der Baishan-Sekte. Nun konnte sie weder ihre Sekte beschützen noch ihren Älteren unter die Augen treten. Ihr Körper war verwandelt, ihr Herz gequält. Geblieben waren ihr nur Treue und Trauer.

Eine Schwertpuppe der „Gefäßklasse“, deren Unterschenkel in Klingen statt in Füßen enden. Ihr Körper besteht aus einem Material, das härter als geläutertes Eisen ist, und wurde mit höchster Präzision gefertigt. In ihren Zügen ist noch immer etwas von Bi Taotaos einstigem Gesicht zu erkennen. Ihr schwarzes Haar weht wie früher. In den Händen hält sie ein Paar Sturmschwerter, deren Hieben Wind und Donner folgen. Es scheint erst gestern gewesen zu sein, dass sie die Führung der Baishan-Sekte übernahm. Damals legte sie ihre Scheu ab und schwor, für die Sekte jedem Sturm zu trotzen und sie zu einstiger Größe zurückzuführen. Als sie hörte, dass Huangxing die Perfekte Transzendenz vorantrieb, eilte Bi Taotao durch die Nacht zum Lager des Mandats, um ihn zur Rede zu stellen. Stattdessen geriet sie in eine Falle, die sich von beiden Seiten um sie schloss. Sie glaubte, die Gegenseite halte sich noch an die Regeln des Pfads der Rechtschaffenheit. Sie glaubte, mit ihrem Nachgeben ihre Schülerinnen schützen zu können. Am Ende rettete sie nichts. Die Erinnerungen, die ihr so kostbar waren, wurden ihr Stück für Stück entrissen. Zurück blieb eine leere Hülle ihrer selbst, die man in einen Puppenkörper zwang. Noch immer hält sie die Sturmschwerter in den Händen. Doch in ihrem Inneren herrscht nur Leere. Die Trümmer auf dem Übungsplatz erfüllen sie mit Trauer, doch schon bald vergisst sie, warum sie überhaupt Trauer empfindet. Zuletzt weiß sie nur noch, dass sie etwas unendlich Wichtiges vergessen hat. Während sie unter diesem Verlust leidet, wird ihr plötzlich auch diese Erinnerung entrissen.

Ein rasender, überheblicher Hüne mit einer Maske aus zusammengeflicktem Alteisen und einer breiten Axt in der Hand. Getrocknetes Blut verkrustet die schwere Schneide. Ihre Schläge sind wuchtig und brutal, jeder einzelne voller Wahnsinn. Früher folgte er seinem leichtsinnigen großen Bruder und brachte stillschweigend in Ordnung, was dieser angerichtet hatte. Er vergaß nie die Lehre ihrer Mutter: Sie waren Brüder desselben Blutes und sollten einander helfen. Selbst nach der Transzendenz hatte er das nicht ganz vergessen. Warum also hatte sein eigener Bruder nicht einmal zurückgeblickt, als das Mandat ihn gefangen nahm? Später stand er als Wache in einem Lager des Mandats. Und das Mandat, das einst hoch über ihnen gestanden und sie beide gejagt hatte, war längst zu Maskenwanderern verkommen, kaum anders als er selbst … In dieser Welt gibt es kein Richtig und kein Falsch mehr. Jeder sollte nur sich selbst treu bleiben.

Ein Elite-Schwertkämpfer unter Huangxing. Sein breiter, tief ins Gesicht gezogener Strohhut verbirgt die falsche Miene darunter. Er führt den Banditentöter, eine raue, fleckige Klinge, deren weit ausholende Hiebe mit der Wucht eines stürzenden Berges treffen. Einst zog er mit seiner Klinge durch die Ödlande und lieferte den Maskenwanderern eine blutige Schlacht nach der anderen. Doch so sehr seine Klinge jeden Maskenwanderer niederstrecken konnte, gegen die Verderbtheit und den Verfall der Führung des Mandats vermochte sie nichts. Sie hielten Vorräte zurück, sahen ihre Schüler sterben und schwelgten im Überfluss, während sich an der Front die Leichen türmten. Das Überleben des Mandats, seine Ideale und sein Ruhm waren nur Spielfiguren ihrer Intrigen. Mit jeder Enttäuschung schwand sein Eifer, das Mandat zu verteidigen. Bis Meister Huangxing, eine der drei Säulen von Kunlun, mit eiserner Hand und seinem Schwert die stinkende Verderbtheit im Lager offenlegte. Er führte seine Anhänger an, um die tief verwurzelten Missstände zu beseitigen. Das Feuer in seinem Herzen, das lange geruht hatte, brannte wieder. Das Mandat konnte noch erneuert werden, und diese Hoffnung war nicht fern. Sie lag in den Händen des Mannes, dem er zu folgen gewählt hatte: Meister Huangxing.

Eine Wahnsinnige, die auf den Bergpfaden des Bergs der Gefangenschaft jeden angreift, der ihr begegnet. Ihre violetten Gewänder sind zerlumpt, ihre Bronzemaske grob und verzogen, ihr graues Haar zerzaust. Sie umklammert eine schwere Stachelkeule und schwingt sie rasend, ohne jede Technik. Als das Mandat und Huangxings Anhänger um einen Pass kämpften, brach Kui Yanyan mitten in den Kampf hinein. Sie erinnert sich nur noch schemenhaft an das tragische Schicksal ihres geliebten Sohnes. Der Junge war zum Maskenwanderer geworden, und die Dorfbewohner schlachteten ihn vor ihren Augen ab. In ihrer Trauer entfernte sie die Transzendenzvorrichtung aus seinem Körper und setzte sie in ihren eigenen ein. Zum Gedenken an ihren Sohn opferte sie das Blut eines ganzen Dorfes. Seitdem irrt sie auf der Suche nach Medizin umher und klammert sich an den Wahn, ihren Sohn zurückholen zu können … Diese Schreie und das Klirren der Klingen … Jemand ist wieder gekommen, um ihr Kind zu töten … Das, worum sie bis zum Tod kämpfen, muss die Wundermedizin sein, die ihr eigen Fleisch und Blut retten kann … Sie hebt die Stachelkeule und stürzt sich ins Klirren der Klingen.

Ein Maskenwanderer, der Soul auf dem Bergpfad immer wieder verspottet. Er trägt eine Jademaske mit grellen, grotesken Farben. Im Kampf kann er gemeinsam mit zwei Doppelgängern kämpfen: Die Jademaske führt Ringe mit verschlagenen, unberechenbaren Bewegungen. Die Goldmaske führt ein Schwert und schlägt tückisch zu. Die Eisenmaske führt eine Klinge mit brutaler Wucht. Finten und echte Angriffe greifen ineinander, während ein unheimliches Grinsen seine tödlichen Absichten verbirgt. Huangxing schickte ihn, um Souls Bewegungen zu überwachen. Doch er sah lediglich belustigt zu, wie Soul vom Fuß des Berges bis zum Gipfel stieg. Sein seltsames, unberechenbares Wesen unterscheidet ihn von den anderen unter Huangxing. Seine vielseitigen Kampfkünste und sonderbaren Techniken lassen sogar vermuten, dass er dieselben Wurzeln wie die Fadenbinder-Sekte hat … Welche Rolle spielt dieser Mann eigentlich unter Huangxing? Doch der Kampf im Schrein schien ihn nicht vollständig besiegt zu haben. Vielleicht hatte er für diesen Fall vorgesorgt.

Auf dem Gipfel des Bergs der Gefangenschaft, im Tempel der Herrin des Schleiers, herrscht Huangxing. Einst war er eine der drei Säulen von Kunlun, nun ist er der Drahtzieher hinter der Perfekten Transzendenz. Er trägt einen Maskenhelm. Sein linker Arm besteht vom Ellbogen abwärts aus kunstvoller Mechanik. Mit ihm setzt er die Fliegende Guillotine aus der Ferne ein oder zieht sein Schwert für den Nahkampf. Seine Angriffe sind wuchtig und unerbittlich. Unzählige Gegner der Perfekten Transzendenz sind durch seine Hand gestorben. Mit ihrem Blut will er einen neuen Weg bahnen. Die Führung des Mandats ist verdorben, seine Schüler sind schwach. Wer Macht hat, besitzt keine Entschlossenheit, und wer entschlossen ist, hat keine Macht. Yuyin klammert sich an die Regeln des Wulin, während Moji schmerzhaft naiv ist. Diese Missstände haben das Blutvergießen verlängert und zahllose Menschen sinnlos in den Tod geschickt. Er verbündete sich mit Meister Bai, um gegen Yuyin und die Melodie zu intrigieren. Im Lager setzte er die Perfekte Transzendenz durch, nahm mit seinen Elitekämpfern den Berg der Gefangenschaft ein und zeigte keinem seiner Gegner Gnade, nicht einmal Moji. Ein neues Wulin, eine neue Phantomwelt entfaltet sich vor ihm. Es gibt keinen Grund, auf die Knochen unter seinen Füßen hinabzublicken.

Ein Sägerad mit Geisterfratze bricht aus seinem Körper hervor und verschmilzt mit der Fliegenden Guillotine. Sein Geist verdichtet sich zu einem Phantomreich. Darin erhebt sich eine gewaltige Statue der Herrin des Schleiers. Sie offenbart das höchste Geheimnis, das er brennend zu ergründen sucht, und die überwältigende Macht, die er an sich reißen will. Zugleich verbirgt sie die wahre Statue im Schrein und den Blick des darin versiegelten Moji. Das Sägerad kreischt und dreht sich. Er hat seine menschliche Gestalt abgelegt, und offenbar auch den letzten Rest seiner Menschlichkeit. Er war es, der Moji in der Statue versiegelte, um zu beweisen, dass er recht hatte. Moji sollte zusehen, wie das Mandat verrottet, und das neue Wulin bezeugen, das Huangxing erschaffen wird. Das Sägerad kreischt und dreht sich. Schuld, Wut und Groll, die ihm von seiner Menschlichkeit geblieben waren, scheinen zu verfliegen. Die Macht, die er sucht, ist so gewaltig. Was macht es da schon, seinen Körper und seine Menschlichkeit zu opfern, um sie zu erlangen? Das Sägerad kreischt und dreht sich. Er gibt sich rasendem Gemetzel hin und muss endlich nicht mehr der Statue in seinem Herzen gegenübertreten. Moji würde ihn so niemals akzeptieren. Nun braucht er diese Anerkennung nicht mehr.

Ein Elite-Schattenwächter, der das Haus der Weißen Schlange bewacht. Wer in den Wirbel seiner Äxte gerät, stirbt unter qualvollen Schmerzen. Daher trägt er seinen Namen. Er ist in Grün gekleidet, und wenn er sich bewegt, breiten sich seine Gewänder wie die Flügel eines Nachtfalters aus. Die Spaltenden Zwillingsäxte in seinen Händen blitzen beim Drehen auf, seine Angriffe sind unerbittlich. Doch selbst nach zahllosen Kämpfen bleiben seine Gewänder makellos. Er bleibt stets gelassen. Gegen starke Gegner untersucht und zerlegt er ruhig deren Techniken. Gegen die Schwachen ist seine Gelassenheit keine Gnade, sondern Gleichgültigkeit. So sichert er sein Überleben. Das Leben anderer bedeutet ihm nichts. Er wägt nur ab, wie sich die Lage auf seinen eigenen Vorstoß oder Rückzug auswirkt. Bevor Zuo Shang Schattenfürst wurde, war Herzdurchbohrer ein unauffälliger Schattenwächter. Nach seiner Machtübernahme vertraute Zuo Shang ihm die Bewachung des Hauses der Weißen Schlange an. War es seine Gelassenheit, die ihm Zuo Shangs Vertrauen einbrachte, oder eine „besondere Vereinbarung“? Und ist Herzdurchbohrers Schicksal bereits Teil von Zuo Shangs Plan?

Guhe ist einer der vier Akolythen im Dienst des Hohen Ältesten. Mithilfe einer Vogelscheuche verbirgt er sich in der Dissonanz. In unheimlichen violetten Gewändern nutzt er tödliches Gift als Waffe. Ein Schwung seines Fliegenwedels verbreitet Giftnebel in alle Richtungen, der bis in die Knochen dringt und das Herz zerfrisst. Er kann auch einen giftigen Doppelgänger heraufbeschwören, der dieselben Techniken nutzt. Im Nahkampf bricht Gift aus seinen Ärmeln hervor und verätzt seine Gegner. Das Gift zerfrisst die Organe der Betroffenen und verursacht unerträgliche Schmerzen. Ihre Lebenskraft schwindet stetig, bis sie unter Qualen sterben. Auf Befehl des Hohen Ältesten lebt er im Herzen der Inseln des Meigu-Sees und überwacht den See Tag und Nacht. Jeden, der die Herabkunft der Herrin des Schleiers verhindern könnte, beseitigt er ohne Ausnahme. Sobald sich eine Störung in einer Ritualformation zeigt, geht er unabhängig von der Ursache oder dem, was tatsächlich dahintersteckt, selbst hin, löst sie auf und legt frei, was sich hinter der Fassade verbirgt. Fleisch ist nur Illusion, und alles Leben verfällt irgendwann. Doch wenn die Barmherzige Herrin des Schleiers herabsteigt, wird Gift die Welt überziehen und jeden falschen Schein hinwegnehmen … Nach diesem Tag sehnt Guhe sich.

Der Anführer der Maskenwanderer, die vor den Docks am seichten Wasser lauern. In rote Gewänder gekleidet und mit einer karmesinroten Klinge bewegt er sich unheimlich und unberechenbar. Sein Klagen ruft einen Blutnebel herbei, in dem Verzweiflung Gestalt annimmt. Die sechs an seiner Seite geraten bei diesem Laut in Raserei. Ihr Sha-Chi schwillt an, und einer nach dem anderen stürzt sich in den Kampf. Alle sieben stammten aus Pangzhen und lernten unter demselben Meister. Jin war der Jüngste. Als er erfuhr, dass seine leibliche Mutter durch Unrecht ums Leben gekommen war, trennte er sich einen Finger ab, um seine Schwester zu beschützen. Damit gewann er die Zuneigung seiner großen Brüder. Später erfuhren sie, dass sein Vater und seine Tante seine Schwester Xiu verachteten. Aus Furcht vor Jin ließen sie ihren Zorn stattdessen an Xius Dienerin aus, und ihre Grausamkeit wurde von Tag zu Tag schlimmer. Die gebrechliche Xiu wurde bald schwer krank, und die Brüder waren empört. Sie fanden Seelenversetzungswasser, um Xius Leid zu lindern, und schworen: Sollten sie es je zu etwas bringen, würden sie die Geschwister beschützen und Gerechtigkeit für sie suchen. Sollte einer der Brüder fallen, würden die anderen für seine Familie sorgen. Doch keiner von ihnen besaß außergewöhnliches Talent. Also trainierten sie Tag und Nacht und unterzogen sich schließlich gemeinsam der Transzendenz. Noch bevor sie sich einen Namen machen konnten, breitete sich eine seltsame Krankheit in der Stadt aus. Sie versuchten heimzukehren, doch ihre durch die Transzendenz veränderten Körper konnten dem Sha-Chi nicht standhalten, das den Meigu-See bedeckte. Die Gesichter ihrer Angehörigen verschwammen langsam hinter Blutdurst und Wahnsinn … Sie waren nur wenige Li von zu Hause entfernt und würden doch nie zurückkehren.

Ein Bogenschütze, der sich auf der Insel östlich des Meigu-Sees verbirgt. Trotz seiner Verletzungen ist er noch immer ein Meister mit Bogen und Schwert. In der Bewegung bauschen sich seine Gewänder, im Stillstand bleibt seine Haltung fest. Doch eine seltsame Macht ist in seinen Körper eingedrungen. Zwischen ihm und seinem Bogen sind mehrere scharlachrote Karmesinaugen gewachsen. Ein Gedanke genügt, und blutrote Todesstrahlen durchbohren die Luft, ohne dass er die Sehne spannen muss. Dieser Meister der Federbogen-Sekte zog einst voller Ehrgeiz durch die Welt und jagte Maskenwanderer. Als er ins Lager zurückkehrte, fand er seine Mitschüler durch die Perfekte Transzendenz entstellt und in ihrem Wesen verändert vor. Sie wollten auch ihn dazu zwingen. Er kämpfte sich frei und brach auf, um Huangxing zu finden, eine Erklärung zu verlangen und ihn selbst um den Preis seines Lebens aufzuhalten. Ein Wulin, das von solchem Blutdurst verzehrt wurde, war nie die Zukunft, die er seiner Tochter versprochen hatte. Der Perfekten Transzendenz entkam er, nicht aber dem seltsamen Wesen, das tief in der Dissonanz lauerte. Die Karmesinaugen, die sich längst auf seinem Bogen verborgen hatten, beobachteten die Kraft in seinem Blut. Während er sich noch von seinen Verletzungen erholte, bohrten sie sich in sein Fleisch und seine Knochen. Er klammert sich an seinen letzten Atemzug und wartet auf jemanden, der sein Vertrauen verdient. Und auf jemanden, der ihm ein Ende setzt.

Auf einer Insel im Norden des Meigu-Sees begegnet Soul You Loong erneut. Sein Instinkt hat ihn hierhergeführt. Er hält den kostbaren Loong-Dreizack der Schwarzwasserbande in der Hand, während Sha-Chi aus seinem beschädigten Loong-Helm aufsteigt. Seine einst disziplinierten Techniken sind nun wild und grausam, getrieben von Blutdurst. Selbst die tosenden Wellen scheinen nur noch töten zu wollen. Einst war er ein ungestümer junger Mann und ein mutiger Anführer, der Helden um sich scharte und das Mandat gegen die Maskenwanderer verteidigte. Nun hat ihn das Sha-Chi verschlungen. An seinen letzten Rest klaren Verstandes klammert er sich nur, um hierher zurückzukehren. Doch der Stützpunkt der Schwarzwasserbande ist nicht mehr, was er einmal war. Seine Gefährten sind zu fischköpfigen Ungeheuern geworden und haben sich gegen das Dorf gewandt, das sie einst zu beschützen schworen. Die Dorfbewohner, die ihnen früher Speisen und Getränke brachten, sind entweder geflohen oder wurden gefressen. Er erinnert sich noch an seine Pflicht als Anführer. Doch hier ist niemand mehr, den er beschützen könnte.

Eine Frau, die vor einem verfallenen Musikhaus umhergeht und Tag und Nacht ohne Rast die Zither in ihren Armen spielt. Das Instrument scheint beinahe lebendig. Seine klingenden Töne verleihen ihrem angestauten Groll und ihrer Empörung eine Stimme und ergießen sie über jedes Lebewesen, das sich hierher verirrt. Einst war Yan’er eine berühmte Zitherspielerin, die jedes Publikum in ihren Bann zog. Sie glaubte, bei einem großen Helden die wahre Liebe gefunden zu haben, und trug sogar sein Kind. Doch auf sie wartete die Klinge eines Meuchelmörders … Im ausschweifenden Leben dieses Sektenführers des Mandats war nie Platz für das Glück, auf das eine einfache Musikerin hoffen konnte. Nachdem Yan’er der Katastrophe nur knapp entkommen war, nahm der Hohe Älteste sie auf und gab ihr den Namen Yan Qiansui. Doch was er wirklich wollte, war das Kind in ihrem Leib. In seinen Augen war ihr ungeborenes Kind nur eine Opfergabe, die den Übergang beschleunigen sollte. Als Yan Qiansui die Wahrheit hinter dem Tod ihres Kindes erfuhr, lebte ihr Körper noch, doch innerlich war sie tot. Dennoch schien sie nur vor der Wahrheit fliehen zu können. Nur die Zither, die ihr stets zur Seite geblieben war, konnte ihr ein wenig Trost spenden. Sie ließ sie in einem flüchtigen Traum von vergangener Pracht versinken und nach einer Erlösung suchen, die nie existiert hatte.

Tief in den Ruinen des Phantomillusionisten steht ein weiß gekleideter Klingenmeister in Wind und Schnee, eine göttliche Waffe in der Hand. Er trägt eine leichte Rüstung aus dem Norden und Gewänder, die weißer sind als Schnee. Sein Gesicht ist bereits halb zerstört und durch die finstere Intrige des Hohen Ältesten in Schatten gehüllt. Seine Hiebe spalten Stein und durchschneiden Wolken. Er ist schnell wie ein Gespenst, jeder Schlag trägt gewaltige Kraft. Seine lange Klinge zerreißt die Luft und hinterlässt Frost. In seinen Jahren im nördlichen Wulin hatte er selten einen ebenbürtigen Gegner gefunden. Von Natur aus stolz folgte er seinem eigenen Rachekodex und streckte mit Weißschatten zahllose böse und ketzerische Gegner nieder. Auf der Suche nach seinem vermissten Sohn zog er allein nach Süden. Nach drei Jahren erreichte er die Gefrorenen Lande, nur um zu erfahren, dass sein Sohn dort bereits gestorben war. Trauer und Zorn verzehrten ihn. Er schwor, jeden Feind zu vernichten, ohne zu ahnen, dass sein rasendes Gemetzel ihn bereits in die Falle des Hohen Ältesten geführt hatte. Von mehreren Künsten gebunden wurde er zu einer Puppe, die Puppe Nr. 99 bewacht. Der endlose Wind und Schnee zermürben, was von seinem Körper geblieben ist, während der Tod seines Sohnes sein Herz ohne Ende quält. Glücklicherweise hat er jemanden gefunden, dem er diese Aufgabe anvertrauen kann. Jemanden, der an seiner Stelle die Ungeheuer erschlägt und den Tod seines Sohnes rächt.

Ein Mörder der Fadenbinder-Sekte, der die Trauerhalle im Anwesen der Trugbilder bewacht. Er trägt einen Regenumhang aus Stroh und mehrere übereinandergestapelte karmesinrote Masken auf dem Kopf. Sein kräftiger Körper ist leichenblass. In den Händen hält er eine Doppelklinge namens Karmesinrote Knochenklinge, eine grausame Reliquie, die ihm so kostbar ist wie sein eigenes Mark. Qiu Feng ist von Natur aus grob und blutgierig. Er glaubt, dass darstellende Künste das Böse abwehren können, und ahmt sie unbeholfen nach. Er übernimmt die Schritte der Kämpfer aus der Oper und die Bewegungen von Darstellern, die Reißzähne aus dem Mund hervorschnellen lassen. Sogar seine eigenen Masken versieht er mit Reißzähnen. Er ist fest davon überzeugt, dass all dies seine Techniken stärker macht. Als er das Anwesen betrat, schlachtete er sämtliche Darsteller der Nuo-Oper ab und nahm ihre Masken des Roten Richters als Schätze an sich. Da er nicht alle zugleich im Gesicht tragen konnte, stapelte er sie auf seinem Kopf. Auch das Schwertschlucken und den Feuerlauf ahmte er nach. Er trieb sich eine lange Klinge direkt in den Schädel, um mit seiner vermeintlichen Unverwundbarkeit zu prahlen. Wendet sich der Kampf gegen ihn, zieht er die Klinge aus seinem Schädel, lässt die Masken darüberfallen und schwingt sie mit der Wucht eines jäh losbrechenden Sturms. Ein solcher Wahnsinniger folgt dem Herold nicht aus Treue. Er giert nach dem Blut mächtiger Gegner, um seine Masken und seinen Strohumhang ganz damit rot zu färben. Als er erfuhr, dass der unbesiegte „Meister Soul“ das Anwesen betreten hatte, wartete er voller Vorfreude auf dessen Weg. Doch diesmal war es sein eigenes Blut, das die Masken und den Strohumhang rot färbte.

Eine Mondsichelglefenpuppe der „Gefäßklasse“, die den Übungsplatz im Anwesen der Trugbilder bewacht. Groß und eindrucksvoll steht sie in ihrer prächtigen Rüstung da, das weiße Haar weht hinter ihr. Sie führt eine äußerst schwere, langstielige Mondsichelglefe mit eingravierten Loong-Motiven. Ihre Techniken verbinden Spalthiebe, weite Schwünge, Blocken, Anheben, Drehen und Zustoßen. Sobald sich eine Lücke bietet, hakt sie die Klinge um den Hals ihres Gegners und umkreist ihn. Blaues Licht wirbelt entlang der Klinge und sammelt sich zu einem kräftigen Windstoß, während der Schaft hinter sie schwingt, bevor sie die Waffe wuchtig niederfahren lässt. Bevor der Herold sie zur Puppe machte, besaß sie außergewöhnliches Talent für die Kampfkunst und bewunderte die heldenhaften Generäle der Bühne. Ihr Meister gab ihr die Mondsichelglefe: Der Klingenrücken war der Himmel, die Schneide die Erde, die Spitze der Herrscher und der Schaft der Meister. Von da an wurde die Waffe ihr ganzes Leben. Ihre Kunst wuchs stetig, bis ihr schließlich niemand mehr einen würdigen Kampf bieten konnte. Als der Herold sie zur Puppe machte, spürte sie kaum Schmerz. Auch danach schien sich wenig verändert zu haben. Es war, als seien jene, die unter ihrer Klinge fielen, nun einfach Puppen statt Menschen. Noch immer versteht sie die Wut der Anhänger des Pfads der Rechtschaffenheit nicht. Warum verurteilen sie ihre grausamen Gemetzel, während kaum jemand die Maskenwanderer dafür verurteilt, dass sie dasselbe tun? Doch deren Wut zu verstehen, interessiert sie auch nicht. Nur wer sie besiegen kann, ist es wert, verstanden zu werden.

Lei Dang ist ein Gesandter des Ordens, breitschultrig und beeindruckend, von aufrechtem, besonnenem Wesen und unerschütterlicher Treue. Einst verlor er auf einer Mission seinen rechten Arm und wurde von Soul gerettet. Später setzte er eine Tigerkanone an die Stelle seines verlorenen Arms. Aufgeladen brüllt sie wie ein Tiger und entfaltet verheerende Feuerkraft. Nun ist er auf Befehl des neuen Schattenfürsten Zuo Shang nach Pangzhen gekommen, um den lange vorbereiteten Plan des Herolds zu vereiteln. Dieser könnte die gesamte Phantomwelt erschüttern. Als der ehemalige Schattenfürst Mu plötzlich ermordet wurde und sich Soul als Täter herausstellte, konnte Lei Dang es kaum glauben. Soul war sein Gefährte aus zahllosen Kämpfen auf Leben und Tod. Pflicht und Vernunft hätten verlangt, ihn beim ersten Wiedersehen festzunehmen. Doch angesichts der Lage und ihrer tiefen Verbundenheit hielt er sich letztlich zurück. Stattdessen zeigte er Soul einen Weg zum Anwesen der Trugbilder. Doch so besonnen Lei Dang auch war, jede seiner Handlungen war in Zuo Shangs Berechnungen längst berücksichtigt.

Nachdem er die Tigerkanone beiseitegelegt hat, entfesselt Lei Dang einen wilden einarmigen Kampfstil. Seine Faustschläge können Berge erschüttern und schicken Kraftwellen wie Klingen nach vorn. Mit ungeheurer Wucht kann er auch auf den Boden schlagen, seinen Gegner aus dem Gleichgewicht bringen und dessen Blößen offenlegen. Springt er hoch in die Luft und kracht mit der Wucht des Donners herab, lässt sich der Angriff nur vermeiden, indem man das Gelände nutzt, um sich in Sicherheit zu bringen. Lei Dang weiß nun, dass er die echte Medizin des Tricksters genommen hat. Jeder Teil von Leng Tus Plan griff in den nächsten, und alle, die darin verstrickt waren, saßen von Anfang an in der Falle. Doch Soul könnte die eine Ausnahme sein, die einzige Unbekannte in einem vorherbestimmten Ausgang und die letzte Hoffnung zahlloser gewöhnlicher Menschen. Vielleicht kann er auch das Strahlende Herz für Schattenfürst Zuo erlangen. Wenn Lei Dang vor seinem Tod noch ein letztes Mal gegen seinen alten Freund Soul antreten kann, das weithin bekannte ehemalige Schattenedikt „Schwarze Narbe“, wird er nichts bereuen.

Ketten aus kaltem Eisen fesseln die Füße des Brechers, und ein gewaltiger Hammer ist an seine Hand gekettet. Ein Arm und ein Bein sind von kräftigen Muskeln durchzogen, die andere Seite ist verkümmert und schwach. Mit diesem ungleichen Körper geboren und von Natur aus stur, trainierte er nur seine stärkere Seite und wurde mit jedem Jahr furchterregender. Die meisten sind bei seinem Anblick zu eingeschüchtert, um das gesichtslose Wesen auf seinen Schultern zu bemerken. Dieses Wesen ist die Säge. Auf dem Nacken des Brechers sitzend, schneidet er mit einer Knochensäge immer wieder in dessen Fleisch. Mit dem Schmerz treibt er ihn in Raserei und lässt ihn hemmungslos auf seine Gegner zustürmen. Dabei erklingt unablässig das schrille, wahnsinnige Lachen der Säge. Es lässt jedem, der es hört, schon vor dem Kampf einen Schauer über den Rücken laufen. Der Brecher hingegen wird mit jedem Lachen nur noch wilder.

Erst als die Säge heruntergeschlagen wird, zeigt sich die Wahrheit: Der Brecher hat keinen Kopf. Die Sehnen und Blutgefäße in seinem Hals winden sich wie die Ringe eines alten Baumes. Das Fleisch zuckt, als suche es nach dem Kopf, den er vor langer Zeit verloren hat. Ohne die Kontrolle der Säge wird der Brecher nur noch wilder. Sha-Chi brodelt durch seinen Körper, seine Haut glüht rot, und schwarzer Rauch steigt aus seinem Fleisch. Von der Säge befreit, scheint er eine Fessel abgestreift zu haben. Er lässt all den Schmerz und die Wut der vergangenen Jahre los und bemerkt nicht, dass die Kapuze, die seinen abgetrennten Hals verbarg, herabgefallen ist. Er hat sogar vergessen, dass er kopflos ist. Vielleicht wird er niemals fallen, solange er es nicht erkennt. Als Soul ihn schließlich besiegt, stürzt sein Körper auf das Eis. In der Spiegelung darunter blickt ihm sein leerer Hals entgegen. Plötzlich erfüllt ihn eine durchdringende Kälte. Seit Jahren hat er keine Kälte mehr gespürt, hat all diese Zeit wie im Nebel verbracht. Man kann also auch ohne Kopf leben? Dieser Gedanke kommt ihm erst ganz am Ende. Bevor er weiter darüber nachdenken kann, ereilt ihn der Tod.

Er nahm den Namen „Leng Tu“ an, kleidete sich wie „Leng Tu“ und wurde schließlich in jeder Hinsicht zu „Leng Tu“, noch grausamer und wahnsinniger als das Original. Anfangs musste er nur Leng Tus Worte und Verhalten nachahmen. Doch jede Lüge erforderte eine weitere, um sie zu vertuschen, und als die Tarnung nicht mehr standhielt, blieb ihm nichts anderes übrig, als alle zum Schweigen zu bringen, die den wahren Leng Tu kannten. Lügen und Blut häuften sich. Grausamkeit wurde zur Gewohnheit, und die Maske wurde zu seinem wahren Gesicht. Mit dieser Grausamkeit wollte er der Herrin des Schleiers gefallen. Die Herrin, die er verehrt, ist kaltherzig und erfreut sich am Leid anderer. Was keinem Zweck dient, ist für sie nutzlos. Kann er sie nicht zufriedenstellen, hat er keinen Wert und könnte jederzeit fallengelassen werden. Er wird niemals zulassen, dass er nutzlos wird. Die Viper der sieben Gifte hatte dieses Leid einst nur zu gut kennengelernt. In jenem lichtlosen Gefängnis aus Illusionen wurden all sein Talent, seine Güte und seine Treue zu nichts zermalmt. Er konnte sich nur durch endlose Qualen am Leben festklammern, gänzlich der Gnade anderer ausgeliefert. Nun ist er durch und durch „Leng Tu“. Er verbreitet die falschen Lehren der Herrin des Schleiers und führt Puppenexperimente an zahllosen Kampfkünstlern des Wulin und gewöhnlichen Menschen durch. Er genießt ihren verzweifelten Kampf in den Puppen und will, dass sie leiden, wie einst die Viper der sieben Gifte litt. Er vertauschte sogar Stillgift und Schweigegift und vergiftete damit Lei Dang vom Orden. Im Namen „Leng Tus“ wiederholte er so dieselbe Intrige, die einst die Viper der sieben Gifte vernichtet hatte. Trotz all seiner Sünden gibt er der Herrin des Schleiers alles, was er hat, solange diese Sünden ihr dienen. Vielleicht war die Viper der sieben Gifte dazu bestimmt, dieses schreckliche Schicksal zu erleiden. Wenn nicht, wer sonst hätte dieser Gläubige, der zu Füßen der Herrin des Schleiers kriecht, werden können?

Dies ist in Wahrheit das Puppengefäß, mit dem Meng Hua, einst eine der „Elf“, durch das Reich des Erwachens wandelt. Um ein Gefäß zu schaffen, das ihr Bewusstsein und ihre Macht vollständig tragen konnte, arbeitete der Herold mehr als dreihundert Tage und schlachtete zahllose Dorfbewohner und Meister des Wulin ab. Das Haar besteht aus roten Fäden und ist mit kunstvollem Goldschmuck verziert. Jedes Detail wurde gestaltet, um der Herrin des Schleiers zu gefallen. Niemand weiß, ob „Verschleierte Blüte“ nur ein anderer Name für Meng Hua ist, ihre Identität bewusst verbergen soll oder gewählt wurde, um den wahren Namen der Herrin nicht auszusprechen. Fest steht nur, dass die Verehrung der „Barmherzigen Herrin des Blütenschleiers, die vom Leid erlöst“ erst vor zwei oder drei Jahren begann. Seit Jahren ist das Wulin in Aufruhr. Maskenwanderer wüten, während das Mandat verdorben und schwach ist. Einfache Leute haben niemanden, auf den sie sich verlassen können. Ihre eigenen Bemühungen wirken umso machtloser. Und je hoffnungsloser die Welt wird, desto kostbarer erscheinen Meng Huas Wohltaten. Die Herrin des Schleiers, die in Träumen erscheint, ist gütig, mitfühlend und wunderschön. Sie spendet Trost, weist den Weg und besitzt gewiss grenzenlose Macht, um die Menschen aus diesem hoffnungslosen Zeitalter zu führen. Wer am Ende seines Weges steht, weiß sich an „Gnade“ und „Wunder“ zu klammern. Für diejenigen, die sich noch nicht unterworfen haben, genügt es, das Feuer ihrer Verzweiflung weiter anzufachen. Das Leiden selbst wird sie lehren, in die Knie zu gehen. Doch der Glaube war nie das Ziel der Herrin des Schleiers. In ihrem einstigen Kampf gegen Inanis zerstreute sich ihr Bewusstsein in den Tiefen der Dissonanz. Die formlose Verderbnis, deren einziger Instinkt es ist, alles zu verschlingen, formte es neu. Einst versuchte sie, sich der Verderbnis zu widersetzen. Doch zwei Wesen von gleicher Gier können sich nicht selbst verschlingen. Wie sollte also eines das andere verschlingen? Stattdessen verschmolzen sie, vollkommen miteinander vereinbar und zum Vorteil beider. Sie sehnt sich danach, ins Reich des Erwachens zurückzukehren und die zahllosen Leben darin zu manipulieren. Der Instinkt der Verderbnis hingegen ist es, alles zu verschlingen und zu einem Teil ihrer selbst zu machen. Ob sie nach ihrer Rückkehr die Welt langsam verzehrt und mit ihren Bewohnern spielt oder eine gewaltige Katastrophe entfesselt, die alles auslöscht … Sie und die Verderbnis sind nun eins. Was als Nächstes geschieht, liegt ganz in ihrer Hand.

All die Jahre hat keiner von ihnen den Sieg errungen. Ebenso wenig ist die Fehde zwischen dem Lóng-Clan und der Bastion von Mó entschieden. Es gab eine Zeit, in der es Zuo Shang gleichgültig war, wer sich durchsetzen würde. Er hatte ein besseres Ende für Soul geplant. Keiner von beiden müsste unter der Klinge des anderen fallen. Er würde Shifus Hand nutzen, um Soul zu beseitigen, und Souls Hand, um Shifu zu schwächen … Danach würde er mit einem veränderten Orden dem Konflikt ein Ende bereiten, den seit uralten Zeiten niemand hatte lösen können. Doch Soul entzog sich seinen Plänen. Er wurde zu der einen Figur, die er mit keiner List überwinden konnte. Vielleicht waren sie dazu bestimmt, mit allem, was sie hatten, gegeneinander zu kämpfen. Einer würde unter der Klinge des anderen fallen, und damit wäre der Ausgang ein für alle Mal entschieden. Erst dann könnten sie dem Schicksal gerecht werden - den Talenten und der Macht, die jeder von ihnen besaß, ihrer langjährigen Verbundenheit und dem generationenlangen Wettstreit zwischen dem Lóng-Clan und der Bastion von Mó, der nie zu einem Ende gekommen war. Auch wenn sie damals auf dem Übungsplatz keinen Sieger ermitteln konnten … Nun stehen sie erneut auf demselben Übungsplatz.

Der „Wahre Lóng“, den Zuo Shang beherrscht, ist aus reinem Gold gegossen, mit einem majestätischen Loong-Kopf und dicht aneinanderliegenden goldenen Schuppen. Durch die geheimnisvolle Kraft des Strahlenden Herzens scheint er nicht nur der Zersetzung durch die Verderbnis standzuhalten, sondern auch das Bewusstsein in seinem Inneren vor ihren Rückwirkungen zu schützen. Mit diesem Körper will Zuo Shang die alles verschlingende Verderbnis beherrschen. Alles kann zu einer Figur seines Spiels werden: die wütende Verderbnis, die meisterhafte Puppenkunst des Herolds und das aus Dissonanzsplittern geschaffene Strahlende Herz … Zusammen bilden sie ein Spiel ohne jede Schwachstelle. Die Katastrophe naht. Jemand muss das Unheil zähmen und in eine Macht verwandeln, die die Welt nutzen kann. Da nur er wagt, dies zu denken und zu tun, und es auch vollbringen kann, wird er diese Gabe nicht ungenutzt lassen. Deshalb hat Zuo Shang das Hohle Herz gewählt. Kein Gefühl darf seinen Plan beeinflussen. Im Ringen zwischen Lóng und der Verderbnis würden Zögern, Mitleid und persönliche Bindungen nur die Präzision jedes Zuges beeinträchtigen. Deshalb kann er auch Souls Entscheidung nicht verstehen. Soul besitzt dasselbe Talent für die Kampfkunst und nimmt doch die Welt, wie sie kommt. Er hat kein Verlangen, den Ursprung seiner Macht zu ergründen oder sie zu beherrschen. Um seine menschlichen Gefühle und Begierden zu bewahren, wählt er lieber das Verdorbene Herz und lebt nur noch sechsundsechzig Tage … Würde er tatsächlich den einzigen Gegner verlieren, der ihm ebenbürtig ist, könnte Zuo Shang eine gewisse Leere empfinden … Oder vielleicht hatte er, von dem Moment an, als er begann, seine Pläne zu schmieden, bereits die Möglichkeit verloren, einen „Seelenverwandten“ zu haben.